Samstag, 21. Februar 2015

To Build a Home

So ziemlich alles, was ich denke, hat einen Soundtrack. Die folgenden Gedanken sind unterlegt mit The Cinematic Orchestra – To Build a Home, weil es in ihnen auch um Heimat geht – und darum, dass man die manchmal zurücklassen muss, um woanders mit jemandem zuhause sein zu können.
There is a house built out of stone
Wooden floors, walls and window sills...
Tables and chairs worn by all of the dust.
This is a place where I don't feel alone
This is a place where I feel at home...

Cause, I built a home
for you
for me.
Am 28.05.2011 war ich zum letzten Mal als Tourist in Berlin. Das ist bald vier Jahre her.


Die Sache mit der Fernbeziehung ist die: Einen Großteil der Zeit verbringt man mit einem Gefühl des Mangels, weil man ohne den anderen Menschen ist. Doch dadurch spürt man sich selbst umso stärker – weil man dieses X wahrnimmt, das man ist, wenn man vom Ganzen die andere Person abzieht. Ich stelle mir vor, dass dieses Bewusstsein nicht so stark ist, wenn man an einen gemeinsamen Alltag gewöhnt ist und die Phasen, welche getrennt voneinander verbracht werden, weniger häufig und viel kürzer sind: Das „man selbst“-Sein und „sich seiner selbst bewusst“-Sein geht fließend über in ein Zusammensein, in das Gemeinsame und irgendwo im Übergangsbereich lässt sich kaum mehr ausmachen, wo man selbst aufhört und die andere Person anfängt. Das kann etwas sehr Schönes, Inniges sein. Dennoch will ich mich selbst spüren, mir selbst genug sein.
John Donne hat gesagt „No man is an island, entire of itself“ – ich verstehe seinen Gedanken – der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, das Schicksal eines anderen ist irgendwo auch mit meinem Schicksal verbunden; mein individuelles Handeln hat Konsequenzen, die auch andere Menschen betreffen. Ich möchte nicht behaupten, eine Insel zu sein, aber ich bin nicht nur der Teil von Etwas – ich bin in mir selbst schon ganz.
Ich habe sehr viel gelernt über mich – vor allem im vergangenen Jahr – und dass ich mir selbst genug bin und mich zu würdigen weiß, war der zentrale Teil. Ich kann mich selbst retten. Ich bin vollständig. Das ist unantastbar. Und mit diesem Bewusstsein kann ich nun etwas Ganzes in einem anderen, größeren Ganzen sein. Ich kann ein Teil sein ohne meine eigene Vollständigkeit aufzugeben. Das ist doch die Großartigkeit, die ein Individuum ausmacht: Es ist nie allein – es hat schon sich selbst und es kann in seiner Ganzheit trotzdem mit einem anderen Ganzen ein neues Ganzes bilden.

Am 26. Februar fahre ich nach Berlin – nicht als Ganzes, das eine Hälfte seines Lebens besuchen fährt, während es die andere Hälfte in seiner Heimat zurücklässt – sondern als Ganzes, mit einem ganzen Leben.

Da gibt es dieses Sprichwort: „Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er ein Fenster.“ Das funktioniert auch andersherum: Wenn sich irgendwo ein Fenster öffnet, muss man eine Tür dafür schließen. Ich habe fast vier Jahre darauf gewartet, dass sich dieses Fenster öffnet und ich sitze auf dem Sims, bereit, hindurchzuklettern. Trotzdem ist es schwer, diese Tür, durch die ich gekommen bin, zu schließen.





Abschied nehme ich seit Wochen, Monaten. Von Menschen, Orten, Dingen. Im Kleinen, Stillen und offen und direkt – in Besuchen, Worten, Gesten oder nur in Gedanken. Die Straße hier wirst du nur noch ein Mal entlang radeln, das war der letzte Blick auf das Maximilianeum und den Friedensengel, das ist der kalte Wind, der im Februar den Leuchtenbergring rauf zieht, „nächster Halt: Odeonsplatz/Universität/Sendlinger Tor/Karlsplatz, Stachus“ – das ist die Wärme der Stadt, die deine Heimat ist und jetzt hörst du zum letzten Mal das Geräusch deiner Wohnungstür, wenn sie ins Schloss fällt.
Wir Menschen wollen manchmal gar nicht glücklich sein, glaube ich. Einmal wünschen wir Zeit weg, weil wir etwas herbeisehnen, dann ist die Zeit vergangen und wir halten uns fest an den letzten verbleibenden Momenten und fragen uns, warum wir einen Abschnitt nicht bewusst erlebt haben, während er noch andauerte. Das will ich nicht. Jeder Moment zählt. Dieser, dieser, der gerade und dieser auch. Ich mag mein Leben, ich mochte die letzten vier Jahre und werde annehmen, was da kommt.





Was will ich sagen? Ich weiß es nicht. Es sind Gedanken eines Übergangs. Da wird es plötzlich ganz still um einen und im Kopf faltet sich alles auf wie in einem riesigen Pop-Up-Buch und man kann in Winkel blicken, die Ewigkeiten im Verborgenen lagen und während man jedes Detail sieht, erschließt sich gleichzeitig auch das große Ganze. „I am nothing; I see all.“, schreibt Ralph Waldo Emerson in „Nature“...
Wenn ich alles auf einmal gefühlt habe und die Wucht zu groß wurde, halfen Musik – Coldplay, Amy Macdonald, Oasis, The Fray, Pearl Jam … – Bücher, Geschichten, Gedichte, Schreiben, Nachdenken, alleine sein, Loslassen und Weitergehen. Das war in den letzten Jahren so und das wird auch weiterhin so sein. Ich weiß dann, dass es gut wird.



Nicht nur Gedanken haben einen Soundtrack. Ganze Jahre können auch einen haben: der erste Titel von dem folgenden spielte am 28.05.2011 und gerade läuft der letzte: The Cinematic Orchestra – To Build A Home.



2011-2015
Adele – Set Fire To The Rain
Clueso – Gewinner
Turin Brakes – Dark On Fire
Barcelona – Get Up
MIKA – Any Other World
Philipp Poisel – Zünde alle Feuer
Jupiter Jones – Still
Amy Macdonald – What Happiness Means To Me
Amy Macdonald – Dancing In the Dark
Adam Merrin – Still Alright
Coldplay – Pradise
Coldplay – Every Teardrop Is A Waterfall
M83 – Midnight City
The Rural Alberta Advantage – Frank, AB
Firefox AK – Running On My Own
La Roux – In For The Kill
Florence And The Machine – You've Got The Love
Coeur de Pirate – Place de la République
Birdy – People Help The People
Tom Odell – Another Love
The XX – Angels
Mumford & Sons – I Will Wait
Keane – Somewhere Only We Know
Florence And The Machine – Never Let Me Go
Paul Kalkbrenner – Sky and Sand
Vampire Weekend – White Sky
Iron & Wine – Flightless Bird, American Mouth
Wolf Larsen – If I Be Wrong
Birdy – The A Team
Star – Your Ex-Lover Is Dead
Coldplay – Fix You
Family of the Year – In The End
Swim Deep – King City
Pearl Jam – Just Breathe
Sol Seppy – Enter One
Daughter – Youth
The Killers – Mr. Brightside
The Verve – Bittersweet Symphony
The Cinematic Orchestra – To Build a Home



Ich drehe mich nochmal um, ziehe die Tür zu, atme ein und setze einen Fuß vor den anderen.

Sonntag, 15. Februar 2015

Vegane Dinkel-Scones

Der letzte Aufenthalt in England liegt über 1,5 Jahre zurück und die Sehnsucht ist groß. Da habe ich vergangenes Wochenende Scones gebacken … die man aber wahrscheinlich niemandem in England vorsetzen dürfte, weil sie doch recht unkonventionell sind, nämlich vegan, ohne Rosinen und mit Dinkelmehl. Und Äpfel und Müsli kamen auch noch ins Spiel.



Ausprobiert habe ich das Rezept bei dem hier dokumentierten Versuch zum ersten Mal. Auf dem Weg wurde also auch fleißig improvisiert. Zum Beispiel habe ich zum Schluss noch 1/4 geriebenen Apfel unter den Teig geknetet, weil ich die Befürchtung hatte, die Scones könnten zu trocken werden. Das eingestreute Müsli (die Rosinen habe ich rausgesammelt) sollten etwas Abwechslung einbringen. Angegebene Mengen sind eher Pi x Daumen und jeder darf selbst ein bisschen experimentieren. :)


Das Ganze ist wirklich einfach und man kann nichts falsch machen: Zuerst werden Mehl und Backpulver vermischt und grob mit Zucker und Margarine in Flocken geknetet. Zusammen mit der Sojamilch wird daraus ein glatter Teig – womöglich braucht es in dem Prozess noch ein bisschen Mehl, damit der Teig nicht allzu klebrig ist.



An der Stelle habe ich dann etwas Müsli/Haferflocken dazugegeben und das besagte Apfelviertel in den Teig gerieben. Diese Überraschungszutaten ließen sich gut mit allem verkneten und den Teig habe ich schließlich auf einer bemehlten Unterlage ca. 1cm dick ausgerollt.


Zum Ausstechen der runden Scones habe ich ein Glas benutzt und die Teigkreise auf ein Backpapier gelegt. Auch hier hatte ich noch einmal einen spontanen Einfall und so landeten auf einigen der Scones dünne Apfelscheiben.


Die Scones kommen bei ca. 200-220°C für 10-15 Minuten in den Ofen. Am besten schmecken sie (mir) nach dem Abkühlen mit ein bisschen Butter (bzw. Margarine – um beim „vegan-theme“ zu bleiben) und Erdbeer- oder Johannisbeermarmelade. Meine Liebe zu Honig hat mich besagtes Thema nicht ganz durchhalten lassen, aber das ist ok. Das Rezept kann man natürlich auch einfach mit Butter und Milch umsetzen.



An den Scones ist nicht mehr viel traditionell Englisches dran, I'm afraid. Entschuldigung dafür an die Menschen von der Insel, aber die Rosinen würde ich ohnehin nur raussammeln, Weizenmehl bekommt mir oft nicht und wenn es beim Backen ohne Milch und Butter geht, ersetze ich beides gerne. Wenn es jemandem da ähnlich geht: good for you – enjoy!



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Donnerstag, 5. Februar 2015

Stockholm!

Long time no see. Ich war lange Zeit im Prüfungstal und bin erst vergangene Woche am Gipfel angekommen. Wirklich im Post-Prüfungs-Jetzt bin ich immer noch nicht richtig – daher gehe ich einfach nochmal einen Monat zurück, nach Stockholm, wo wir Silvester verbracht haben. Ach, Schweden, was bist du schön! Zwar waren wir nur (vier Tage) in Stockholm und nirgends sonst im Land, aber ich generalisiere das einfach mal.


Bei der Anreise musste ich ein kleines Debakel erleben: Was die DB „Gleisbruch“ nannte, ließ mich in der Peripherie an der S8 Richtung Flughafen stranden und verlangte mir beim Kampf um das einzige Taxi (wie gesagt: Peripherie und 5 Uhr morgens) einiges ab. Meinen Flieger erreichte ich zum Glück noch und auch beim Umsteigen in Berlin klappte alles – trotz Schneesturmapokalypsenwarnung.


MUC —» TXL —» ARN

Die Stadt machte trotz der Touristenmengen einen sehr entspannten und ruhigen Eindruck auf uns. Die vielen kleinen Gassen der Altstadt gefielen mir am besten. Man kann stundenlang durch die Straßen wandern und sich ohne Hektik umsehen. Die Nähe zum Wasser gibt Stockholm einen besonderen Reiz – manche der Bezirke sind Inseln und über Brücken mit der restlichen Stadt verbunden.



—» Strandvägen «—

Einen Moment der stillen Wertschätzung für die auf mich etwas skurril wirkende schwedische Sprache und Schreibweise. Einige Tage von Lauten umgeben zu sein, die man nicht versteht, unterlegt eine solche Reise mit einem gewissen Rauschen, durch das man – irgendwie entrückt von allem – ungestörter Betrachter sein kann.


—» Nordiksa Museet «—


—» Auf dem Weg nach Södermalm «—


—» Blick auf Gamla Stan «—



—» Unterwegs auf dem Monteliusvägen «—


—» Die Riddarholmskyrkan «—


Weil wir die erholsame und entspannende Atmosphäre der Stadt so angenehm fanden, haben wir größtenteils auch die diversen Shopping-Epizentren und Kaufhäuser gemieden – ein paar Kleinigkeiten wurden aber doch von Schweden mit nach Hause gebracht. Darunter ein „Dalahäst“, weil: ohne darf man gar nicht wieder ausreisen.


Diesen Beutel habe ich bei Hedengrens gekauft, obviously. Hedengrens ist eine Buchhandlung, die uns, neben der SciFi-Buchhandlung in Gamla Stan, am besten gefiel, weil sie sehr gut sortiert war. Erst hatten wir uns dort nur ein bisschen aufwärmen wollen, dann aber das Untergeschoss und die große Auswahl an englischsprachiger Literatur entdeckt und doch eine ganze Zeit dort vertrödelt.





Ansonsten sind da noch ein paar Kleinigkeiten: eine Dose aus dem Nordisk Museet für meine ganzen Ohrringe, Postkarten für meine Wand (Virginia Woolf, Patti Smith, Emily Dickinson und Elche), Creme für die trockene Winterhaut und natürlich das hübscheste aller Dalapferde.



Nach vier Tagen in Stockholm sind das die Erinnerungsschätze, die ich mit mir zurück nach Hause gebracht habe. Dass es nicht der letzte Besuch in Schweden war, hoffe ich sehr.


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