Sonntag, 26. Juli 2015

Ein Besuch in der Gemäldegalerie

Wochenlang hatte ich große Sehnsucht nach der Alten Nationalgalerie. Nicht nur die Kunst mag ich dort, sondern auch das Gebäude, die Räume, den Holzboden, den Geruch. Ich habe die Galerie bisher immer entspannter und geerdeter verlassen, als ich sie betreten hatte.
Der Arbeitswoche ist es nun geschuldet, dass mir für einen Ausflug dorthin nur das Wochenende bleibt und dank der Urlaubshochsaison ist die Museumsinsel 24/7 komplett überlaufen. Drei Mal war ich angesichts einer langen Schlangen enttäuscht wieder nach Hause gefahren. Bis ich mich dieses Wochenende auf eine Alternative eingelassen habe.



Die Gemäldegalerie liegt etwas abseits vom üblichen Touristenstrom – unweit vom Potsdamer Platz – und weder sie selbst noch ihre Umgebung sind meiner Meinung nach optisch besonders ansprechend. Nur so kann ich mir die Leere erklären, denn als ich am Samstag eine Stunde nach Öffnung dort ankam, war es in der Eingangshalle still und unbelebt. Wie ich es mir gewünscht hatte.
Der Bau ist von 1998 und sieht von außen auch so aus. Kahl, glatt, steril irgendwie. Nicht mein Geschmack. Aber auch wenn die Gebäude auf der Museumsinsel mein Auge weit mehr erfreuen, darf man sich von der Architektur der Gemäldegalerie nicht „abschrecken“ lassen, denn drinnen ist es wundervoll und fast kathedralenartig. Und es gibt Licht, so viel Licht.





Zu meinem großen Glück war ich nur mit einer Hand voll anderer Besucher in der Galerie unterwegs und zum Teil minutenlang alleine in einzelnen Räumen.
Die Weitläufigkeit der Wandelhalle und der gesamten Galerie ist eine unbeschreiblich entspannende Abwechslung zu der Gedrängtheit, die Berlin verstopft und beherrscht. Ich war wochenlang nicht mehr auf so vielen Quadratmetern der einzige Mensch. Und das noch dazu in einer Umgebung, in der vollkommene Stille geschätzt wird.






Den Blogpost wollte ich mit „Bilder von Bildern“ betiteln. Das erschien mir sehr treffend. Doch es sind Bilder von Bildern in Räumlichkeiten, die durch ihre Atmosphäre selbst wertvollste Kunst sind. Manchmal habe ich einfach nur sehr lang auf einer der Bänke in der Mitte eines Raumes gesessen und die Ruhe wahrgenommen. Nur die Ruhe, denn sonst fielen keine weiteren Reize auf mich ein. Nur die Ruhe. Und die Gemälde: Die drängen sich nicht auf. Man kann blinzeln, die Augen schließen und wenn man sie wieder öffnet, sind sie immer noch da.



Hektik, Eile oder Schnelligkeit zählen in diesen Wänden nicht, denn sie machen die Erfahrung nicht „effizienter“ oder besser. Alles dort existiert zum Selbstzweck und man kann sich auch selbst die große Freiheit nehmen, einfach nur zu sein.











Die Kunst kann einem nun gefallen oder nicht. Meine persönlichen Lieblinge hängen in der Alten Nationalgalerie, weil ich Schinkel, Friedrich und Konsorten so wunderbar finde, dass ich vor den Bildern stehend heulen könnte. Laienhafterweise treffe ich mal die Aussage, dass in der Gemäldegalerie thematisch viel Religiöses zu sehen ist und auf den Gemälden selbst hautsächlich Personen und Szenen und Thematiken aus der (überwiegend) höfischen Gesellschaft. Bei den Romantikern steht die Natur im Vordergrund und das sehe ich selbst einfach am liebsten.
Vollkommen abgelöst davon, ob einem die ausgestellten Werke nun zusagen oder nicht, ist die Gemäldegalerie ein sehr besonderer, wundervoller Ort, an dem man Ruhe finden kann. Mit Sicherheit beruhigt und entspannt jeden Menschen etwas anderes – ich für meinen Teil habe mich lange nicht mehr so friedlich, gelassen und beseelt gefühlt wie nach diesen vollkommenen Stunden in der Gemäldegalerie.



Es wären sehr, sehr viele Besuche notwendig, um wirklich jedes Bild bewusst einmal angesehen zu haben, daher kann ich kein „Lieblingsbild“ aus allen Bildern benennen – von denen, die ich aber gesehen habe, war dieses eines meiner liebsten.



Der Blick der jungen Frau. So verschmitzt. Wunderbar.

Montag, 20. Juli 2015

Chocolate Chip Cookies! (vegan)

Wie immer ging auch dieser Backaktion eine eigenartige Assoziationskette voraus, auf die ich im Detail nicht eingehen möchte. Ach, warum eigentlich nicht: Aus welchem Grund auch immer, fiel mir neulich ein Lieblingsfilm aus meiner Kindheit ein, den ich (auf VHS hatte) und (als ich etwa 11 war) fast täglich guckte. (Ja, so macht man das, wenn man besessen ist.)
Da ich vor 17 Jahren auf gesunde Ernährung so viel gab, wie man das als Kind eben tut, atmete ich besagten Film guckend meist ohne mit der Wimper zu zucken eine hübsch große Packung Schokokekse ein. Und zack! Da hatte ich plötzlich riesige Lust auf Schokokekse (und wollte den Film dazu gucken).


Da 17 Jahre später nun sowas ähnliches wie Vernunft eingesetzt hat (not), buk ich mir die Kekse selbst. (Mit Bio-Zutaten und in vegan. Was Gebäck keineswegs „gesund“ macht übrigens, just sayin'.) Und Kekse futtern als gäb's kein Morgen, ist 2015 noch genauso nicht-gesund wie 1998, ABER DARUM GEHT ES JETZT GAR NICHT!!1



Zutaten
• 275g Mehl • 150g Margarine • 150g Zucker • 1Pk. Vanillezucker • 1Pk. Backpulver • 4EL kernige Haferflocken • 4EL Haferkleie • 2EL Kakaopluver • 2EL Sojamilch • 1 Banane (zerdrückt) • 1 Apfel (gerieben) • 100-200g (je nach Geschmack) Zartbitterschokolade (gehackt) •

Das Beste an Keksen ist, dass man rücksichtslos alle Zutaten in eine Schüssel packen und einfach vermengen/verkneten kann. Ich habe einen Knethaken verwendet, aber wer ein bisschen Saft in den Oberarmen hat, kommt sicher auch mit einem Kochlöffel aus.




Durch Haferkleie, Bananenmus und Apfel wird der Teig sehr glatt und irgendwie doch körnig. Er ist einfach anders als ein Keksteig in dem Butter und Eier sind, finde ich...
Mit zwei Esslöffeln etwas Teig aufnehmen und ein annähernd rundes Gebilde auf das mit Backpapier ausgelegte Blech befördern und etwas glatt drücken. Die Kekse gehen noch auf – so groß wie eine CD (alles sehr 90er hier) sollte der Teigklops also vielleicht nicht sein.



Den Backofen bei 200°C vorheizen und die Kekse ca. 15-20 Minuten backen. Disclaimer, wie immer: Behaltet die Kekse im Auge; jeder Ofen ist anders und Feuer fangen sollten sie besser nicht...



So aus der Nähe sehen die Kekse auch wirklich aus wie Kekse und nicht wie ein Häufchen Sch...okoladenbrei.
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Backen und wenn ihr in eurer Kindheit auch so fleißig trainiert habt wie ich, könnt ihr von den Keksen nun mindestens fünf bis sieben hintereinander essen.



Viel Erfolg!


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Sonntag, 12. Juli 2015

Gone Boating

Im Tiergarten gibt es einen See, den Neuen See. Wegen der Boote, die man dort leihen kann und wegen des angeschlossenen Cafés, erinnert er mich ein bisschen an den Kleinhesseloher See im Englischen Garten. Auch dort gibt es einen Biergarten und einen Bootsverleih und — ach, München...



Jedenfalls: An einem Sonntag, der für meinen Geschmack genau im richtigen Maße sommerlich war (Temperatur < 25° C) sind wir an besagten See im Tiergarten geradelt und haben uns für eine Stunde ein Ruderboot geliehen. FUN TIMES!



Wir hatten Glück und ergatterten das letzte Boot. Für eine Stunde 10€ auf den Tisch gelegt, eine kurze Unterschrift geleistet, mit der wir den Verleiher von jeder Verantwortung befreiten, sollten wir uns in Lebensgefahr begeben und ertrinken, und schon ging es raus aufs offene Meer.




Den Wind in den Haaren, die schreienden Möwen über uns kreisend ... nicht ganz. Rudern ist schwieriger als man denkt. Man fährt ja quasi rückwärts und wenn man versucht zu lenken, ist alles irgendwie seitenverkehrt – oder macht sich da etwa nur (m)eine kleine Rechts-/Linksschwäche bemerkbar?



Der See hat eine leichte Strömung: Als wir uns in die Mitte des Sees gerudert und unser Picknick ausgepackt hatten, drifteten wir immer wieder in Richtung der Kanäle, in die man laut des Verleihers aUF KEINEN FALL FAHREN SOLLTE WEIL LEBENSGEFAHR!!1
(In Wirklichkeit soll man dort einfach nicht die nistenden Vögel stören, vermuteten wir.)



Die Enten auf dem See waren in der Tat latent genervt von den ganzen schwimmenden Nussschalen mit orientierungslosen Menschen an Bord. Viele hatten ihre Köpfe unter den Flügeln und paddelten gelangweilt zur Seite, wenn man mit seinen Rudern angepatscht kam. (Entschuldigung.)



Unkoordiniertes Rudern, Enten stören und Lebensgefahr mal beiseite: Was für ein schöner Sonntagsausflug! Dass für eine Stunde der Boden unter den eigenen Füßen instabil und wackelig ist und man nur Wasser um sich hat, ist mal was anderes. Und auch die Radstrecke durch den Tiergarten, der da wie ein Wald wuchert, war wunderbar.



Land ahoi und auf bald!

Montag, 6. Juli 2015

Dinner and a Movie #4

Schinkennudeln gehörten zu meinen Lieblingsspeisen, als ich ein Kind war (und noch Fleisch aß). Neulich hatte ich ganz plötzlich Lust darauf...
Während ich die Vorstellung von vegetarischer/veganer „Wurst“ normalerweise ein bisschen unheimlich finde … so auf dem Brot – wollte ich ihn für die „Schinkennudeln“ einfach mal ausprobieren. Und weil ich seit meinem letzten „Dinner and a Movie“-Post schon Ewigkeiten vergangen sind, kombinierte ich das Nudelexperiment mit einem meiner Lieblingsfilme, den ich jeden Sommer gucken muss.



Erst einmal aber zu den Nudeln – man braucht:

• Fusilli Nudeln • vegane/vegetarische „Wurst“ – ich nehme „Salami“, weil sie sehr würzg ist) • Frühlingszwiebeln • Paprika • Soyasahne • wahlweise (und für die vegetarisch/nicht vegane Variante) 2 Scheiben Käse •

Randnotiz: Ich kenne Schinkennudeln ein bisschen als ein Resteessen. Ob da nun Paprika reinkommt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen.


Zuerst die Frühlingszwiebeln in etwas Olivenöl anschwitzen und nach ein paar Minuten die klein geschnittene Paprika dazugeben. Ordentlich mit Salz, (Orangen/Zitronen-)Pfeffer, Chili-Öl o.ä. würzen und dünsten.
Parallel in einer weiteren Pfanne die gewürfelte „Wurst“ anbraten.




Das Paprikagemüse mit etwas Wasser ablöschen und mit Sojasahne verfeinern – ggfs. nachwürzen und weiter köcheln lassen, bis das Gemüse gar ist.
Dann die gebratenen Wurstwürfel dazugeben und die gekochten Nudeln mit in die Pfanne geben. Wenn man sich für die nicht-vegane Variante entscheidet, zum Schluss etwas gewürfelten Käse unter die Nudeln heben.



Da sind wir auch schon fertig mit unseren „Schinkennudeln“ und auch das Geheimnis um die Filmwahl kann gelüftet werden: Die fabelhafte Welt der Amélie stand auf dem Programm, denn es gibt keinen Film, der einen das Leben, sich selbst und einfach alles so sehr akzeptieren und gut finden lässt, wie diese abgefahrenen 117 Minuten. Und die Musik erst!
Den Film habe ich in einem Juni (vor gar nicht allzu vielen Jahren) zum ersten Mal gesehen und muss ihn seither jeden Sommer wieder gucken. Der Sommer macht mich manchmal schwermütig, denn die Hitze und ich sind keine sehr guten Freunde. Amélie mit ihrem wunderbaren Knallkopf und die zauberhafte Musik lassen mich dann leichter werden und die Jahreszeit, sowie alles weitere, drückende, annehmbarer und das Leben generell lebenswerter finden.



Ich hoffe, jeder hat so einen Lieblingsfilm und ein ganz besonderes Seelenessen, das alles besser macht. Nudeln stehen da bei mir sowieso ganz hoch im Kurs und was die filmische Unterhaltung betrifft, ist z.B. Harry Potter auch auf meiner Liste der „das Leben ist schön“–Streifen.



So, nun habe ich das Wort „Streifen“ synonym für „Film“ verwendet und verabschiede mich besser.
Auf Wiedersehen.


Dinner and a Movie #3