Sonntag, 6. September 2015

retreat

Der September ist da. Und mit ihm der Herbst. Dieser Sommer in Berlin hat mich nachdenklich gemacht: Fast acht Jahre habe ich in München gelebt; aufgewachsen bin ich auf dem Land. Dass München zwar eine Großstadt, dem Land aber geographisch und die Lebensgeschwindigkeit betreffend sehr nahe ist, wird mir erst nach einem halben Jahr Berlin bewusst: Berlin ist Großstadt durch und durch – München ist einfach nur eine große Stadt auf dem Land. Letzteres ist, was mir während des Sommers fehlte und so frage ich mich, ob ich trotz frühen Erwachsenenlebens in der Stadt, doch ein Landkind bin und bleibe.




In einer Umgebung, die nur auf der Himmelseite nicht aus Asphalt und Beton besteht, empfand ich den Sommer als gnadenlos und unbarmherzig. Ja, es gibt Grün in Berlin; sehr viel. Doch es ist begrenzt und muss sich einfügen in die Räume, welche die Zivilisation ihm lässt. So mag der Tiergarten groß, weitläufig und teils wildwachsend sein, über seine Grenzen wird er aber nie hinausgehen dürfen – immer wird er Park in einer Stadt bleiben.



Was ich zu sagen versuche ist, dass ich die Natur vermisse. Menschen kann ich oftmals keine mehr sehen, genauso wenig den Müll, mit dem sie um sich werfen. Wenigstens für ein paar Stunden mussten wir im heißen August einmal raus. Und rein in den Botanischen Garten.




Gelockt haben mich botanische Gärten nie, weil ich Blumen nicht besonders faszinierend finde. Aus Interesse an der floralen Vielfalt des Botanischen Gartens in Steglitz haben wir den Ausflug nicht unternommen, schön anzusehen sind die Blumen dann aber natürlich schon. Primär wollten wir ins Grün und es war wunderbar.



Der Eintrittspreis von 6€ hatte mich zugegebenermaßen erst etwas erstaunt. Nach einigen Schritten in den Garten hinein zeigte sich aber: Das ist gut angelegtes Geld, denn die Pflege dieser Anlage kostet sehr viel Zeit und Hingabe. Und man sieht an jeder Ecke, dass man sich hier sehr gut kümmert.



So, so, so viel Grün. Wie sehr mich Natur entspannt, spürte ich während der wenigen Stunden zwischen Blumen, Wiesen und kleinen Wäldchen.







Auf einer Bank sitzen und ins Nichts lauschen, keine Autos hören, keine Menschen. Keine Häuser sehen oder Straßen, kaum Menschen. Nur die stillen, die auch für das Grün und die Ruhe hierher gekommen sind. Ähnlich wie mein Besuch in der Gemäldegalerie, hat mir auch die Zeit im Grünen sehr viel Frieden gebracht und Langsamkeit.







Als ich die beiden da sitzen sah, habe ich mich tief drinnen sehr gefreut, denn dass auch sie hier den Rückzug in die Natur genießen, sagt mir mein Gefühl und die versonnene, offene Körperhaltung. Beide wirken fast erleichtert, angesichts des Ausblicks auf die grüne Weite. Und die große, alte, verknöcherte Pinie ... in ihren Schatten kann man sich retten, wenn einem alles zu viel ist. Sie strahlt ultimative Gelassenheit und Dauerhaftigkeit aus, denn sie steht einfach immer da. Immer. Fest verwurzelt und friedlich.

PS: Alles zu seiner Zeit: Die der Stadt bricht gerade wieder an. Sobald der Herbst da ist, kann ich mein Leben als Stadtmensch wieder feiern..


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1 Kommentar:

  1. Hallo,
    bei jeder Gelegenheit lese ich so gerne deinen Blog. Dein Stil liegt mir sehr nah. Meine Muttersprache ist Russisch und auf Russisch schreibe ich auch in diese Richtung: elegant, bunt und schön.
    Ich würde mich freuen, wenn du auch mal meinen Blog besuchst:
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    freundliche Grüße, Anna

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