Sonntag, 3. April 2016

Say No To Shit You Hate

Vor einiger Zeit hatte sich mir die Gelegenheit geboten, an einer recht spannenden Sache teilzunehmen. [Ich nenne die Sache an dieser Stelle „Sache“, weil ich nicht allzu tief in mein Privatleben einsteigen möchte. Mit „Sache“ kommen wir aber auf jeden Fall auch zu dem Punkt, den ich machen möchte.]
Besagte Sache also, weitestgehend objektiv gesprochen sicher eine „recht spannende“, möglicherweise aufschlussreiche, erhellende, Spaß bringende, in die man („man“) sich doch bitte euphorisch, begeistert, Ja schreiend hineinstürzen möge, because that's what people are supposed to do!
Je näher der Termin aber rückte, umso mehr spürte ich, dass ich keine Lust darauf hatte, mir schwer und lange Gedanken darüber machte und immer wieder an den Punkt kam, an dem ich sagte: „Ich mag da nicht hin.“

In Gedankensituationen dieser Art bin ich nicht selten. Grund dafür ist mitunter sicherlich meine Angst. Vor Menschen, sozialer Interaktion, Verurteilung. Wer sich ebenfalls zum Team „introvertiert und schweigsam“ zählt, kann das vielleicht nachvollziehen. Ich versuche daher stets abzuklopfen, in welchem Maß meine Abwehrhaltung einfach „nur Angst“ ist und durch Mut überwunden werden kann und welcher Teil der inneren Diskussion von aufrichtigem Bauchgefühl bestritten wird.
Auch versuche ich, während meiner Entscheidungsfindung dem Argument zu begegnen, man müsse Unbekanntes einfach tun und ausprobieren, weil man im Vorfeld gar nicht sagen könne, ob man Spaß an etwas haben wird oder nicht. Ja und nein. Neues und Unbekanntes einfach zu machen, kann in sehr vielen Fällen ein riesiger Gewinn sein. Sich ab und an selbst ein bisschen zu schubsen, die eigene Komfortzone zu verlassen und mit voller Kraft voraus in etwas eigentlich beängstigendes reinzulaufen, ist meist lehr- und aufschlussreich. Aber: Wenn du absolut keine Lust auf/ein schlechtes Gefühl bei etwas hast, es dich (und wenn nur im übertragenen Sinne) schlaflos oder dir Magenschmerzen macht, lass_es_sein.

Der letztendlich einzig „richtige“ Weg sich zu entscheiden, ist für mich, mir selbst zu vertrauen. Aus diesem Vertrauen wächst Mut. Einerseits für Dinge, die neu und unbekannt sind und im ersten Moment vielleicht Angst machen, andererseits aber auch dafür, zu etwas Nein zu sagen, auch wenn es nicht der massenkonformen, populären Meinung entspricht. Damit möchte ich auch den Einwand entkräften, Nein sagen sei der Weg des geringeren Widerstands. Ganz im Gegenteil, er ist oftmals ein sehr ungemütlicher.

Manchmal fühle ich mich umzingelt und genötigt von der (auf mich zum Teil vorgegeben wirkenden) Euphorie und Begeisterung der Menschen um mich (meiner Generation?), dem ständigen Bestreben, alle sich bietende Chancen zu nutzen und jedem Tag (noch) mehr Leben zu geben. Meinem Empfinden nach, wird in dieser Bewegung des scheinbar unbeugsamen Optimismus vergessen, dass es völlig legitim ist, etwas scheiße zu finden und dass man keineswegs der notorisch spaßbremsende Anti ist, wenn man nicht jeder „Opportunity“ freudestrahlend und mit offenen Armen entgegenrennt. Dein Leben wird nicht weniger lebenswert, wenn du eine Chance an dir vorbeiziehen lässt, bei irgendwas nicht dabei bist und keine bedingungslose Begeisterung für etwas aufbringen kannst, weil du es einfach kacke findest oder keinen Bock darauf hast. Dein Leben ist geil und vollkommen, egal was du alles ungenutzt lässt oder „verpasst“.

Um jedenfalls auf besagte Sache zurückzukommen: Ich habe mich letztendlich gegen sie entschieden und war daraufhin sehr befreit und erleichtert. Alleine aufgrund dieser Gefühle war es die richtige Entscheidung. Ich habe sie aus dem Bauch heraus getroffen. Sie war nicht angstgesteuert, denn ich bin nicht meine Angst. Sie ist manchmal mein Begleiter, aber meine Entscheidungen trifft nicht sie, sondern ich.

Ich kenne mich, ich vertraue mir. Wenn ich auf etwas keinen Bock habe, lasse ich es sein. Was ich mit all dem sagen will: Say no to shit you hate. Und wer es gerne positiv formulieren möchte: Hab Vertrauen in dich und sag Ja zu den Dingen, die dich mit Freude erfüllen. Und an den Rest mach einen Haken.


„You know what? I don’t want to do it, and it’s really liberating to say no to shit you hate.“
(Hannah Horvath)

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