Samstag, 4. Juni 2016

Sommerlippen

Seit einem knappen Jahr bin ich was Make-Up betrifft faul geworden. Das liegt wohl in erster Linie an dem neuen Leben mit Vollzeitjob. Während ich früher eine gute halbe Stunde für die morgendliche Fertigstellung meines Gesichts eingeplant habe, sind es mittlerweile nur noch rund 10 Minuten. Ich hätte mehr Zeit, entscheide mich aber, sie anderweitig zu nutzen. Zudem blieb auch meine Kosmetiksammlung nicht verschont von den Minimalisierungsbemühungen des letzten Jahres und während ich mich daher jetzt zum einen freue, durch weniger Dinge einen besseren Überblick über alles zu haben, gefällt es mir zum anderen auch, in den besagten morgendlichen 10-Make-Up-Minuten mit der Hälfte der steps auszukommen.

Ganz grundlegend hat sich daneben meine Einstellung verändert: Genauso wie Kleidung, muss auch Kosmetik und Make-Up für mich einfach sein. Sobald ich in Zusammenhang damit Entscheidungen treffen und mir Gedanken machen muss, verwende ich auf den entsprechenden Bereich weit mehr Energie, als für ihn zur Verfügung stehen sollte.
Von Foundation habe ich mich z.B. so gut wie verabschiedet. Genauso von Augen-Make-Up, das mehr als einen (maximal zwei) Lidschatten beinhaltet. Ja, manchmal sieht meine Haut vielleicht müde aus und ich habe mal einen Pickel, aber dann ist das eben so. Das ist mein Gesicht. Deal with it. Und für den Fall, dass ich mal super frisch und klasse aussehen möchte, weiß ich ja, dass es Foundation und Concealer und allen möglichen anderen Kram gibt. So alltäglich ertrage ich meinen Anblick aber ohne. Ich mag mich sehr gerne ungeschminkt.

Was die Produkte betrifft, die ich benutze, setze ich nicht mehr wirklich auf Präzision. Das dauert zu lange. Es muss auch ohne gehen. Vor allem im Sommer.
Worauf ich nie (selten) verzichte und das hat mit einer tief wurzelnden Leidenschaft zu tun, ist irgendeine Form von Lippenstift. Der darf im Sommer nicht schwer sein und auch nicht matt, deckend oder dunkel. Heute zeige ich vier meiner liebsten Sommerlippen.

Als ich darüber nachdachte, was die vier Produkte für mich besonders macht und warum ich sie so gerne benutze, kam ich wieder auf die Einfachheit in ihrer Handhabung. Dass man für Lippenbalsam weder viel Zeit, Muse oder einen Spiegel braucht, ist klar, aber mit einem der Chanel-Lippenstifte, Rouge Allure, 97 Incandescente, einem leuchtend roten Ton, gehe ich eigentlich ähnlich um, fiel mir auf: Ich trage ihn unpräzise auf, reibe die Lippen aufeinander, gehe einmal mit dem Finger drüber und fertig. Sieht dann aus, als hätte ich Erdbeeren oder Kirschen gegessen.

In dem Zusammenhang fiel mir Mary Greenwell ein. Eine britische Make-Up-Artistin. Sie ist einfach großartig! Vor ein paar Jahren habe ich einmal ein Tutorial mit ihr auf YouTube geguckt. [Ich werde gleich danach suchen.] Sie sagte jedenfalls, sie sei ziemlich entspannt im Umgang mit Make-Up, benutze keine Pinsel, sondern einfach ihre Finger. „I just slap it on and hope for the best.“, sagt sie und klatscht einem Model Make-Up ins Gesicht, als würde sie einer Weihnachtsgans den Hintern einfetten. Das Endergebnis ist aber in seiner Natürlichkeit makellos. Unlängst fiel mir das wieder ein. Angesichts meiner geschrumpften Toolbox und in Anbetracht des geringen Zeitaufwands, den ich nurmehr betreibe, betrachte ich die Aussage als den perfekten Ansatz.

Um auf die Lippenstifte zurückzukommen. Ja, die sind unkompliziert und ich klatsche sie mir Greenwell-mäßig auf die Lippen, verreibe sie und gut ist. Das klappt sowohl mit dem knallroten Ton, als auch mit dem pfirsichfarben bräunlichen von Chanel. Letzterer ist ein Rouge Coco in der Farbe 402 Adrienne.

Der Lippenbalsam von NUXE in Raspberry ist auch so eine bereichernde und höchst unkomplizierte Errungenschaft: Sehr pflegend und dennoch gut pigmentiert. Auf natürliche Weise, sodass es nicht wie „Lipgloss“ aussieht. Neben Rot und Pfirsich/Beige reiht sich damit also auch noch ein Beerenton in das Sommerlippen-Grüppchen und ich habe alles, was ich brauche.

Und was Smith's Rosebud Salve betrifft: Das pflegt einfach nur prima und riecht nach Rose. Ein Hauch (ein winziger, winziger Hauch) von Rose ist auch in der Nicht-Farbe. In meine Sommerlippen-Liste hat Rosebud-Salve es einfach wegen der Handhabung geschafft. Nichts leichter als ein bisschen Balsam auf die Lippen gepackt, oder?

Mittlerweile habe ich auch besagtes YouTube-Video mit Mary Greenwell wiedergefunden. Ich verlinke es euch unten. Zuvor sei aber noch ihre Herangehensweise in Sachen Lippenstiftauftrag zitiert. An den Tipp halte ich mich besonders gerne. Gerade im Sommer, mit den oben genannten Tönen, die da möglichst natürlich aussehen sollten und nicht wie aufgemalt, der Form der eigenen Lippen schmeichelnd:

„ … now rub your lips together. Crazily. Mad. Up and down, back and forth, back and forth, back and forth and up and down. Big time. There you go. By doing that you will expand your lips as much as possible. This is why you see old ladies doing that on the tube.“

Quelle: Cate Blanchett Make-up Tutorial with Guest Artist Mary Greenwell

Und damit: Viel Spaß mit dem Sommer, ob ihr nun Make-Up tragt oder am liebsten ohne geht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen