Freitag, 17. Juni 2016

Thrift-Store Finds

In meiner Mittagspause gehe ich meistens spazieren. Wenn ich neun Stunden im Büro bin, will ich eine davon wenigstens in Bewegung verbringen. Neulich schiffte es in meiner Pause aber was runter ging und statt in Richtung Spree und Gärten der Museumsinsel das Büro zu verlassen, huschte ich bei Urban Outfitters rein. Was sich als Fehler herausstellte. Ich fand ein T-Shirt und ein kariertes Hemd. Letzteres aus der − ich glaube UO nennt das die „Urban Renewal“ Reihe. Das sind einfach 2nd Hand-Klamotten, aber eben handverlesene, sich ähnelnde Einzelstücke, die so dargeboten werden, dass es nicht aussieht wie Kraut und Rüben auf dem Flohmarkt, sondern wie kalifornischer Thrift Store in Long Beach. Das T-Shirt war simpel und sollte wirken, als sei es ebenfalls „vintage“ und ein Überbleibsel aus den späten 80ern. Nach der Anprobe war ich bei beiden Teilen so im „gefällt mir schon, nehme ich vielleicht“-Stadium und guckte _erst dann_ auf den Preis. AND NOW GUESS WHAT!? Alleine das T-Shirt kostete 45€ – beides zusammen um die 90€. lol, nope. 😘 [Nicht dass ich mich generell weigern würde, diesen Betrag für Kleidung auszugeben, aber UO ist nun nicht gerade bekannt für beeindruckende Qualität und Produktion zu fairen und nachhaltigen Bedingungen, wo man dann gerne mehr bezahlt.]


Ein paar Tage später schaute ich also mal wieder bei Colors rein, einem Vintage/2nd-Hand-Store im Bergmannkiez. Auch wenn dort alles gut sortiert und Kategorien wie T-Shirts, Röcke, Jacken leicht auffindbar sind, ist die Suche nach einem bestimmten Teil doch immer eine kleine Jagd. Letztendlich fand ich aber ganz genau, was ich haben wollte: Ein weiches (sehr weiches!) Baumwollhemd und ein einfaches, graumeliertes T-Shirt mit abgesetzten Bündchen an Ärmeln und Hals. Natürlich war das bei UO nicht exakt genau so, aber as close as it gets und noch schöner, denn ich habe die Dinge nicht einfach „von der Stange“ genommen, sondern musste mich danach auf die Suche begeben. Für beides bezahlte ich 10€.

Was ich an 2nd-hand-Klamotten so liebe ist, dass sie ihren neuen und oftmals täuschenden Glanz verloren haben und sich in ihrer wahren Blöße zeigen: Ob ein Kleidungsstück etwas taugt, lässt sich beim Neukauf oft nur bedingt feststellen und vieles sieht nach wenigem Tragen und Waschen schon verschlissen aus. Was man im Thrift Store findet, hat seine Strapazierfähigkeit dagegen schon in gewisser Weise bewiesen: Wenn man ein getragenes T-Shirt auch in einer Nicht-Alles-Neu-Alles-Glänzt-Atmosphäre für kaufenswürdig erachtet, dann will man es doch wirklich haben und ist nicht etwa nur geblendet von einer austauschbaren neuen Sache, oder?
[Anyhow, edit: Der Post war schon fertig, da las ich ein paar Tage später einen Artikel auf Lenny, in dem die Autorin (am Rande) über ihren ersten Besuch in einem Thrift Store erzählt, wie sich Vintage-Klamotten anfühlen und was sie (und insb. Vintage-Shirts) so besonders macht:

[...] he also introduced me to my first thrift store.
As soon as I walked in, I was accosted by a scent. It was a combination of old clothes and patchouli — so I was a little apprehensive at first. But after walking around for a bit, I spotted some cool hats [...] and of course there was a huge section dedicated to every hipster's Kryptonite ... vintage T-shirts.
I had never seen a real vintage tee up close before. I had no idea how intoxicating soft cotton and a faded print could be. There were so many rows of them that I just picked a color and started sifting through them like a secretary flipping through a Rolodex.
Finding My Fashion Identity with One Old T-shirt by Lena Waithe
Der Artikel ist äußerst lesenswert! Er beschreibt so gut, wie sehr die individuell für einen selbst „richtigen“ Klamotten, die eigene Identität herausarbeiten und bekräftigen können.]

Um auf meinen Einkauf zurückzukommen: Solche T-Shirts, bei denen die Bündchen andersfarbig eingefasst sind, hatte ich in meiner Kindheit. Auf seltsame Weise fühle ich mich sehr wie ich selbst, wenn ich sowas trage. Genau wie mit dem Hemd und der Kombination aus beidem. Das plus Jeans war mein Look in der Unterstufe auf dem Gymnasium. Vielleicht lebe ich in der Vergangenheit. Vielleicht lebe ich aber auch einfach nur mit meiner Vergangenheit. Und das jetzt.

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