Samstag, 2. Juli 2016

Bücher für die Insel: Meine Amrum-Leseliste

Auf das Meer freue ich mich am meisten und die raue Seeluft. Auf die Dünen, den Wald, die Ruhe … die Zeit zum Lesen. Wir verbringen vier Tage auf Amrum.
Mich für eine Auswahl (!) an Büchern zu entscheiden, die ich mitnehmen möchte, fiel mir am schwersten. Bücher sind ein Zuhause. Selbst wenn ich weiß, dass ich nicht dreimal so viele Bücher lesen können werde, wie ein Urlaub Tage hat, habe ich doch den Drang, in etwa so viele mitzunehmen. Einfach weil ich sie dabei haben muss, um mich wohl zu fühlen.
Auf unser Nordseeabenteuer habe ich letztendlich folgendes an Lese- (und Schreibmaterial) mitgenommen:


 (1) frankie 

Das frankie magazine ist ein ~splurge~, den ich mir nicht jeden Monat gönne. Wie ein kleines Kunstwerk empfinde ich das australische Magazin: Es in den Händen zu halten und zu durchforsten ist eine so große Freude, dass ich diese Ausgabe hier nach dem Kauf direkt für Amrum beiseite gelegt und mir das Erlebnis für die Fahrt gen Norden aufgespart habe. Zwischen den Seiten steckt so viel unverstellte, unvollkommene Schönheit, Vielfältigkeit und Positivität, dass einem ganz warm ums Herz wird. Wenn ich in die frankie tauche, weiß ich ein Mal mehr, warum ich herkömmliche „Frauenzeitschriften“ unerträglich finde und mich lieber in das frankie-Biotop zurückziehe.


[Randnotiz: Digital ließe sich die Zeitschrift günstiger abonnieren, aber dann verpasst man die Haptik und quite frankly möchte ich auf die nicht verzichten.]








 (2) lindy west: shrill 

Durch einen (bzw. sogar zwei!) meiner Lieblingspodcasts wurde ich auf Lindy West und ihr neues Buch Shrill (2016) aufmerksam: Die (bisherige) Lebensreise einer Frau, die nicht in eine von Männerdominanz geformte, gesellschaftliche Norm passt und ihre laute Stimme erhebt, statt sich den Mund verbieten zu lassen.
Sie war mit einem kleinen Beitrag in einer der letzten Episoden von This American Life und daneben auch zu Gast und im Interview bei Nerdette. Den Buchempfehlungen von Tricia Bobeda und Greta Johnsen folge ich widerspruchslos. Außerdem war Lindy West in der Podcastfolge der Knaller, daher habe ich bei meinem nächsten Dussmannbesuch ihr Buch direkt eingetütet. Sehr lustig soll es sein und tragisch komisch zugleich − ich bin gespannt.



 (3) patti smith: just kids 

Neben neuen Büchern nehme ich auch ein altes mit, denn noch mehr Zuhause steckt in Lieblingsbüchern und zwischen Seiten, die man bereits einmal gelesen und durchblättert hat. Vor ein paar Monaten erst habe ich M Train zum wiederholten Mal fertig gelesen und bin daraufhin zu Patti Smiths Collected Lyrics 1970-2015 weitergegangen.
Meine erste (und bisher einzige) Lektüre von Just Kids ist mittlerweile knapp 5 Jahre her, erinnert mich an meine erste Wohnung in München und eine ganz andere, sehr weit entfernt scheinende Zeit. Das Buch hatte damals eine sehr besondere Wirkung auf mich − wie auch Woolgathering vor zwei Jahren und zuletzt eben M Train − Patti kann das − und nun will ich zu meiner ersten Begegnung mit ihr zurückkehren und mal nachfühlen, was Just Kids heute mit mir macht.



 (4) nick cave: the sick bag song 

Diesen Schatz habe ich mir für einen besonderen Lesemoment aufgespart. Auf meinem to-be-read-Stapel wartet Nick Cave schon eine Weile, Patti Smith und eine Reihe weiterer toller Frauen wollten aber vorher drankommen. Mir fällt auch auf, dass ich kaum Männer lese. Das ist keine bewusste Entscheidung. Ich mag Frauen einfach gerne und finde ihre Geschichten und Stimmen so spannend, dass ich mir nur selten Zeit für einen Mann nehme. [Peter Bieri wollte ich mir diesen Sommer noch einmal vornehmen − vielleicht wird Nick also nicht lange alleine bleiben.]
The Sick Bag Song habe ich im März in Friedrichshain im Schaufenster eines Buchladens gesehen, es mir dann zu Ostern gewünscht und seitdem nur erwartungsvoll beäugt. Nach M Train und mit noch mehr Patti Smith im Gepäck, ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für Nick Caves Gedanken und Erinnerungen.



 (5) judith lennox: the turning point 

Ebenfalls eine Reise in die Vergangenheit ist auch Judith Lennox: Ihre Bücher habe ich entdeckt (und restlos gelesen), als ich gerade Abi gemacht hatte. Das ist jetzt auch schon − pssst! neun Jahre her − seitdem war sie aber fleißig und nachdem ich ein paar Jare Jahre wenig an sie gedacht habe, kann ich nun einiges aufholen.
Grundsätzlich kann ich alles von ihr empfehlen; momentan bin ich an The Turning Point (2012) dran und zwei, drei weitere gibt es daneben glaube ich noch, die ich (noch) nicht kenne.
Die Romane von Lennox spielen alle (zum Großteil) im England des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen Heldinnen. Die Geschichten spinnt Lennox über Jahre und Generationen, die Charaktere sind zahlreich, vielseitig, wachsen und verändern sich. Ich habe ihre Romane immer sehr gerne gelesen, sie haben meine England-Sehnsucht gestillt und mich für viele Stunden in eine andere Welt gezogen. In wenige Bücher kann ich so tief einsteigen und einfach runter lesen wie die von Lennox − sie sind also ideal für lange Fahrten, Reisen und regnerisches Wetter und da ich mir die zerfledderten Taschenbücher nach dem Lesen nicht unbedingt ins Regal stellen muss und will, lese ich sie auf dem kindle.

 (6) Notiz- und Tagebuch 

Fast noch wichtiger als Lese-, ist für mich das Schreibmaterial, wenn ich wegfahre. Neue Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen setzen alles in Gang, rühren Gedanken auf und an. Zugfahrten, Spaziergänge, ein weiter Blick aufs Meer − dabei lässt sich vieles gedanklich sortieren und in neue Ordnung bringen −, wenn ich auf einer Reise dann mein Journal oder Notizbuch nicht dabei habe, habe ich das Gefühl, mein Kopf hätte ein Leck. Daher: Das Tagebuch für den inneren Monolog und das Notizbuch für alles Pragmatische, Pläne und Ideen.


Meine Summer Reading List ist eigentlich so viel länger, aber ich musste mich zügeln. Schließlich sind wir nur ein paar Tage weg und nicht drei Monate. Es stehen aber einige Publikationen an, auf die ich sehr gespannt bin und daher wird es hier wohl demnächst einen etwas genaueren Blick auf besagte Liste geben. Stay tuned.

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