Samstag, 9. Juli 2016

Meer, Meer und mehr Meer: Amrum

Die Idee an die Nordsee zu fahren, stand vage im Raum, seit ich nach Berlin gezogen war. Endlich war es nicht mehr so weit wie früher von München aus. Urlaube planten wir trotzdem nach Irland, England und Frankreich – an die Nordsee kann man ja mal spontan. Wer mich kennt weiß, dass „spontan“ nicht in meinem Repertoire ist, außer ... außer, wenn das Gefühl raus und weg zu wollen so stark wird, dass ich plötzlich einen adrenalinartigen Spontaneitätsschub bekomme und zwei Wochen im Voraus ein langes Wochenende auf Amrum buche. Zack.

Wir hatten uns ein paar sehr ruhige Tage auf einer kleinen Insel erträumt, mit Meer, Wind, Natur und allem voran: Stille. Ohne lange Recherche und nur nach einem kurzen Blick auf die Landkarte, entschied ich mich für Amrum. Primär weil die Insel zu einer Seite am offenen Meer liegt und ich mir Wind und Wellen wünschte. Erst danach lasen wir in einem „Welche Nordseeinsel passt zu Ihnen“-Artikel, dass wir intuitiv die richtige Wahl getroffen hatten, denn (Zitat) „Amrum ist eher nichts für Partypeople.“ YAS! 👵🏻👴🏻

Unser Träumchen von idyllischen Tagen am Meer wurde tatsächlich wahr, denn Amrum ist alles, was ich mir gewünscht hatte. Die Insel ist sehr klein. Es gibt drei Dörfchen, in denen man Lebensmittel kaufen und in Cafés gehen kann. Eine Hauptstraße führt vom Süden in den Norden der Insel. Alles abseits davon muss man zu Fuß und mit dem Rad erkunden. Entsprechend gibt es kaum Verkehr und Menschen trifft man auch nicht in Scharen.

Unsere Ferienwohnung lag im Süddorf. Von dort erkundeten wir mit den Rädern die Insel. Durch einen wunderschönen Pinienwald gelangte man direkt zum Strand. Zwischen den Dünen führte ein Fußweg über eine kleine Anhöhe ans Wasser. Auf dem höchsten Punkt des Weges, bevor es leicht bergab auf den weiten Sandstrand geht, hat man den ersten weiten Blick aufs Meer.


Das Meer hat eine solche Anziehungskraft. Schon am Morgen des ersten Tages führte mich meine Laufrunde zum Wasser. Vorbei am Leuchtturm und brütenden Möwen, die im Gestrüpp zwischen den Dünen ihre Nester hatten. Windig ist es immer und überall auf Amrum. Die weiten Sandstrände geben der Meeresluft Fläche für den Anlauf – sobald man hinter dem Schutz der Dünen hervorkommt, rollt der Wind ungebremst auf einen zu. Genau dafür bin ich hergekommen, habe ich mir gedacht: Für den Blick auf das Meer, die gute Luft und den Wind. 🌬😌







Mit den Rädern erkundeten wir die ganze Insel, von Wittdün im Süden bis ins Norddorf und die nördliche Spitze von Amrum. In den Amrumer Dünen auf der Westseite gibt es einen wunderschönen Wald und ein Vogelschutzgebiet, durch das nur Fußwege führen.
Tagelang nur zu Fuß und mit dem Rad unterwegs zu sein, ohne viele Menschen zu treffen, ohne Verkehr oder Lärm und das inmitten von teils wuchernder Vegetation und unzähliger Tiere, war so erholsam und gleichsam beruhigend wie stärkend.


Nach den ersten 24h schon hatte ich das Gefühl, den Rhythmus der Insel angenommen zu haben. Alles fühlte sich leichter und weicher an, bewegte sich geruhsamer, fließend und ohne rohe Kraft, als gäbe es keine Reibung. Morgens Laufen durch den Wald und zum Strand, abends nochmal ins Meer und tagsüber mit dem Rad wohin es einen gerade zieht, mit Pause im Café. Die viele frische, gute Luft und die Bewegung ließen mich nachts tief und erholsam schlafen. Dunkel wurde es später als in Berlin, sodass wir vom Fenster unseres Ferienhauses noch lange das goldene Abendlicht auf den Feldern sahen, wo bis zum Sonnenuntergang die Häschen unterwegs waren.

Dass es ein so idyllisches Fleckchen innerhalb der deutschen Landesgrenze gibt und ich dafür nicht erst nach Cornwall oder West Somerset reisen muss, hätte ich vor unserem Wochenende auf Amrum wohl nicht für möglich gehalten. Als „Berg-Kind“ aus dem tiefsten Oberbayern sind Nord- und Ostsee und das Prinzip „Insel“ etwas so faszinierendes für mich wie für jemanden aus Schleswig-Holstein vielleicht der Watzmann oder Königsee.


...den Zug von Berlin über Hamburg nach Dagebüll zur Fähre habe ich jedenfalls mit Sicherheit nicht zum letzten Mal genommen.

Kommentare:

  1. Ein schöner Post mit einem spürbaren Herzen für die Nordsee! Schön!

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    1. Danke Dir, das hast Du gut gesagt! Ja, ein Herz für die Nordsee. <3 :)

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  2. Ein schöner Post mit einem spürbaren Herzen für die Nordsee! Schön!

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