Samstag, 13. August 2016

Erinnerungen an eine Reise: Irland 2015

Home is so sad. It stays as it was left,
Shaped to the comfort of the last to go
As if to win them back. [...]
„Home Is So Sad“ von Philipp Larkin

Die Reise, sie sitzt dort wie eine Insel, inmitten der gleichtönigen Alltäglichkeit. Man selbst hat ihr diesen Platz gegeben, schon Monate zuvor. Und nun wartet sie. Zeit, die sich wie eine Ewigkeit anfühlt, vergeht doch irgendwann und man macht sich endlich auf. Zu der Reise, der Insel. Das Zuhause zurückzulassen konnte man kaum erwarten und deshalb fällt es nicht schwer. Die Schwere kommt erst mit der Heimkehr. Wenn man die Wohnung betritt und plözlich wieder zurück ist, inmitten all dessen, was man vor kurzer Zeit kaum erwarten konnte, hinter sich kleiner werden zu sehen. Nichts hat sich verändert. Nirgends ein Zeichen für tatsächlich vergangene Zeit. Es ist als hätte man nur kurz geblinzelt und während eines Wimpernschlags eine Reise gemacht, auf die man Monate gewartet hatte. Home is so sad. Dann wiederum ist das Zuhause der einzige Grund, warum Heimkommen eben nicht traurig ist. Weil es unverändert ausgeharrt und gewartet hat … Shaped to the comfort of the last to go / As if to win them back. Es gibt einen Faden, den man aufnehmen kann und bekannte Muster, die einem helfen, wieder einen Rhythmus zu finden.

Am 12. September vor einem Jahr machten wir uns auf den Weg nach Irland. Erst viele Monate nach unserer Rückkehr konnte ich die Fotos von unserer Reise durchsehen und sortieren, ohne dass ein stechender Schmerz von Fernweh in meinen Oberkörper kroch. Das ist oft so nach einer sehr schönen Zeit an einem anderen Ort, weg von zuhause. Kurz danach ist alles noch zu frisch, um ohne Melancholie zurückblicken zu können. Die Zeit, in der ich die Erinnerungen an Irland hervorholen und in ihnen blättern kann wie in einem Lieblingsbuch, die ist jetzt da. Und alles ist wieder sehr nah, ich muss nur in meinen Kopf gehen und den Film einlegen.





Irland ist magisch. Ein märchenhafter Traum in allen erdenklichen Grüntönen. Man braucht dort nichts, denn alles, was man sich nur wünschen könnte, ist schon da: Das Meer. Schroffe Klippen, weiche Hügel, Wälder, weite Täler, in denen Seen liegen, Wiesen, wogendes Gras ... und Stille.
Wir flogen von Berlin nach Dublin und nahmen von dort den Zug über Cork nach Killarney in Kerry im Südwesten Irlands. Unsere Ferienwohnung lag am Rand des Killarney Nationalparks auf einem kleinen Berg und wir konnten von dort auf Wälder und den Lough Leane schauen.










Feste Schuhe und für alle Fälle eine Regenjacke. Das braucht man dann doch in Irland. Für viele Kilomenter auf Wanderwegen. Und einen Mietwagen. (Oder ein Busticket.) Für den Ring of Kerry, an der Küste entlang. Und Taschentücher. Denn wo man in Irland aus dem Auto steigt und an die Klippen am Meer tritt, oder auf einen Hügel, von wo aus man in das weite Land blickt, könnte man in Tränen ausbrechen angesichts so viel Schönheit.




In jedem Moment, den ich auf einer Reise Zeit habe zum Innehalten – wenn es viele dieser Momente gibt, ist es eine gute Reise, für mich – mache ich mir bewusst, dass ich gerade wirklich hier bin. Ich bin hier. Jetzt. Hier. Wirklich. Hier. Ich versuche nicht an letzte Woche zu denken, an das, was ich daheim und hinter mir gelassen habe und nicht an nächste Woche, wenn ich, nur so kurze Zeit später, wieder zurück sein werde in einer vollkommen anderen Wirklichkeit. Ich versuche, was ich immer versuche, mir aber stets so schwer fällt; auf einer Reise versuche ich es aber noch viel mehr: Das hier sein, jetzt gerade. Sodass mir, wenn ich wieder zuhause ankomme, die Wohnungstür aufschließe und das Gefühl habe, gar nicht weg gewesen zu sein, doch bewusst ist, was ich tatsächlich alles erlebt habe. Weil ich Spuren hinterlassen habe dort und, viel wichtiger, die Orte in mir Spuren hinterlassen haben, sodass ich Monate später – wie jetzt – in meine Erinnerungen tauchen und alles wiedererleben kann.

Cause everywhere we've been, we have been leaving traces
They won't ever disappear
We were here, we were here, we were really here. […]
BOY – We Were Here

1 Kommentar:

  1. Ich war schon in Irland gewesen, glaube ich, zweimal. Wundervolles Land. Sehr schön Sightseeing. Diese Ebenen erinnerte mich einige arktische Felder auf summmer als ich dort war mit https://poseidonexpeditions.com/de/antarktis/ .

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