Samstag, 24. September 2016

Ein Wochenende im August

26.-28. August 2016, Kreuzberg/Prenzlauer Berg/Mitte (analog)

Die bleibenden Erinnerungen an einen Sommer sind meist die sehr kleinen, die kurzen Momente, die Augenblicke, in denen die Sonne durch die Baumkronen auf mich scheint, wenn ich im fleckigen Halbschatten am Friedhof in der Bergmannstraße Richtung Südstern und nach Hause radle. Im August kann ich den Sommer gut finden, weil ich weiß, dass er nicht mehr lange bleiben wird und weil er milder gestimmt scheint − als habe er selbst keine Kraft mehr für lange Tage voll sengender Hitze.





Im Treppenhaus riecht es nach Holz und je höher ich steige, desto wärmer wird es. Aber in der Wohnung ist es kühl und still. Barfuß über den Holzboden, mit den Einkäufen in die Küche. Aus dem Kühlschrank kommt eine beruhigend kalte Woge, in die ich mich sanft fallen lassen möchte. Durch den dünnen Vorhang scheint die Nachmittagssonne. Den Kaffee habe ich morgens schon kaltgestellt, das Glas läuft an und die Eiswürfel klirren. Das sommerliche Treiben draußen und die Ausgelassenheit all derer, die die warme Jahreszeit genießen, ist weit weg. Hier, in meinem Zimmer, in meinem Universum, bin ich alleine mit der Ruhe und um mich sehe ich ausgebreitet, was in der Welt draußen stets klein gefaltet, sicher in meinem Kopf verstaut ist.


Mein Leben scheint klein, aber für mich ist es gerade groß genug. Ich habe Platz darin. Genauso die mir wichtigsten Menschen. Außerdem Dinge, die mir Freude machen. Die kleinsten machen mir die meiste.
Mein Leben ist klein, aber auch ganz. Und solange ich nach vorne gehe, bleibt es vollkommen.
I move to keep things whole.


Manchmal falte ich mein Universum, verstaue es wieder in meinem Kopf und gehe nach draußen damit. Die Welt aufnehmen und sammeln. Oft, viel, gerne alleine, manchmal zu zweit. Weil ich nichts erklären muss und du weißt, was ich kann und möchte und was nicht. Wann ich genug habe und zurück will in meinen Kopf. I live like a hermit in my own head.





Die bleibenden Erinnerungen an diesen Sommer sind die kleinen. Die Nachmittage in meinem Zimmer, lesend auf der Couch, an meinem Schreibtisch. Die Fahrten mit dem Rad, die Spaziergänge durch Kreuzberg, über den Flohmarkt, zum Café. Die Momente alleine, in meinem Universum, in meinem Kopf. Die mit dir und uns.

Kommentare:

  1. Das war sehr, sehr schön zu lesen und hat mich in meinen eigenen Sommererinnerungen schwelgen lassen! :))

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