Samstag, 4. MĂ€rz 2017

Happy Birthday, Berlin. đŸ’«

[…] I HEAR SOUNDS IN MY MIND
BRAND NEW SOUNDS IN MY MIND.

Der FrĂŒhling in Berlin hat eine so versöhnliche, weiche Seite, die mich an meine Ankunft in der Stadt vor zwei Jahren erinnert. Es ist gar nicht der FrĂŒhling selbst, sondern das Ende des Winters, durch dessen scheinbar undurchdringlich dicke Schicht an KĂ€lte, Dunkelheit und Graustufen sich helle, milde Strahlen kĂ€mpfen: Erst zaghaft und in großen AbstĂ€nden – bald tĂ€glich und immer nachdrĂŒcklicher. Der Tag beginnt frĂŒher, das Licht weicht spĂ€ter, wie ein bester Freund, der noch etwas lĂ€nger bleiben kann, nicht so schnell weiter muss wie noch vor ein paar Wochen. Diese ersten Tage des Lichts und der Milde Ende Februar erinnern daran, dass Berlin nicht hart, kalt und grau ist. Sie haben mich begrĂŒĂŸt, als wir am Tag meines Umzugs nach sechs Stunden Fahrt in Kreuzberg aus dem Auto stiegen. Das war am 26. Februar vor zwei Jahren. Wie schnell die Zeit vergeht und dass ich nicht glauben kann, schon zwei Jahre hier zu sein, wo ich mich an diesen einen Tag des Ankommens so genau erinnere, muss ich nicht erzĂ€hlen. Zeit wartet auf niemanden, sie rennt einfach weiter.

Vor einer Weile habe ich mit einer Freundin, die erst vor ein paar Monaten nach Berlin gezogen ist, ĂŒber Berlin und das Leben hier gesprochen. Wie es ist, in Berlin anzukommen, sich einzuleben, ob man mit der Stadt warm werden kann und wenn ja, wie oder wie schnell. Berlin hat mich willkommen geheißen, keine Fragen oder Bedingungen gestellt und mir suggeriert, zu genĂŒgen.
Dass Menschen genervt sind, von der ewigen Berlin-Euphorie, kann ich schon verstehen, aber ich sehe das so: Mit Berlin hat es wenig zu tun. Was Menschen euphorisch macht, ist dieses GefĂŒhl – das genug zu sein.

In MĂŒnchen zu leben, war ein jahrelanges Heimspiel in einer fast dörflichen Blase, zu der nur Zutritt findet, wer bereit ist, fĂŒr ein annehmbares Leben in ihr entsprechende Opfer zu bringen und zu akzeptieren, dass manche Menschen gleicher sind als andere. Wo Berlin einen nickend durchwinkt, hat MĂŒnchen, freundlich lĂ€chelnd, noch ein, zwei Fragen. So offen und annehmend Berlin aber auch sein mag, einfach macht die Stadt es einem nicht. Man ist wie das 6. Geschwisterchen in einer Familie mit zwölf Kindern: Es gibt eine Infrastruktur und man verhungert nicht, aber am Ende des Tages muss jeder sehen, wo er bleibt. Nicht weil die Eltern einen weniger lieben, sondern weil da eben noch elf andere sind. Doch zu glauben, dass man einer Stadt wie MĂŒnchen, nur wegen der ĂŒberschaubareren GrĂ¶ĂŸe und des höheren Wohltands weniger egal wĂ€re, ist ein Irrtum. Da ist Berlin wenigstens ehrlich. Mir ist klar, dass ich privilegiert bin. Ich habe Arbeit und eine Wohnung. Davon zu sprechen, dass Berlin es mir „nicht einfach“ macht und hart ist, klingt mehr nach nörgeligem Einzelkind als nach Nr. 6 von zwölf.

Ich will sagen, dass ich angekommen bin. In einem riesigen Raum, den ich mir mit knapp 4 Millionen anderen Menschen teile, hat Berlin mir ein kleinen Fleck geboten, auf dem ich mich zuhause fĂŒhlen kann.
Und wenn ich an diesem Fleck, in unserer Wohnung, an meinen liebsten PlĂ€tzen sitze und nichts höre außer dem Surren der Heizung und meinem eigenen Atem, dann kann ich gar nicht glauben, dass ich diesen Frieden habe und einfach sein kann, hier in dieser Stadt. Dann bin ich fast ehrfĂŒrchtig, wenn ich an die unzĂ€hlig anderen Menschen denke und dass ich einer von ihnen bin und einen Platz hier habe. Einen kleinen, der aber nur mir gehört und dass ich, wenn ich raus gehe und anfange zu laufen und einen Fuß vor den anderen setze, 900 Quadratkilometer weit zuhause bin.

… I WHISPER THINGS, THE CITY SINGS 'EM BACK TO YOU.

Der Blogpost war fertig und alles, als Lorde ihre neue Single veröffentlichte. Das ist wichtig, weil Lordes Musik untrennbar mit meiner Anfangsberlinzeit verbunden ist. WĂ€hrend meiner ersten Tage und Wochen hier, hörte ich Pure Heroine rauf und runter. Das Album klang so nach Erwachsenwerden ohne Furcht oder Bedauern… Vorgestern kam dann Green Light und es war genau, was ich brauchte. Endlich wieder einen Lorde-Song zum allerersten Mal hören. Er ist so voll Optimismus, trotz des Schmerzes. Trotzdem. Einfach trotzdem. Darin liegt Hoffnung, im trotz-dem. Das brauche ich, gerade heute.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen