Samstag, 20. Mai 2017

Drei Tage in Amsterdam #marylebowvsamsterdam

Viele Jahre war Amsterdam nicht auf meinem Reiseziel-Radar. London und Paris waren immer eine zu große Konkurrenz, wenn es um die Suche nach einer Destination für ein langes Wochenende ging. Es hat auch nichts mit „The Fault in Our Stars“ zu tun, dass ich doch endlich einmal nach Amsterdam wollte … es war vielmehr der Januar- und Nachweihnachtsblues, der mich beim Pläne schmieden für kleine Fluchten im Frühling und Sommer an die niederländische Hauptstadt denken ließ. An der Stelle fällt mir auf, dass ich vorher noch nie in den Niederlanden gewesen war. Wahrscheinlich hatte ich während all der Skiurlaube in meiner Kindheit und Jugend stets so viele Holländer um mich gehabt, dass es sich anfühlte, als wäre ich selbst schon einmal dort gewesen. Wie dem auch sei, Amsterdam war Ende April endlich unser Ziel und für drei Tage unsere Entdeckungsspielwiese. #neverstopexploring




Mit dem Vereisen ist das bei uns so: Wir sind richtig gerne zuhause. Wenn wir also unterwegs sind, wollen wir nicht ins Hotel, sondern auch einfach zuhause sein, nur woanders. Weil unsere Städtetrips außerdem selten viel Nachtleben einschließen und wir nach einem ganzen Tag auf den Beinen, in Museen, Geschäften und Cafés die Abende am liebsten in der Jogginghose verbringen, bieten sich als Unterkünfte am besten ganze Wohnungen an, in denen wir abends auch kochen, old people like hängen und um 22:00 das Licht ausmachen können. Airbnb ist also die Antwort auf all unsere Fragen. 👴🏻👵🏻




Unsere Wohnung lag zentrumsnah, aber nicht zu nah. Dass es auch zu viel des Guten sein kann, wenn man quasi mittendrin wohnt, zeigte sich nämlich schon an unserem Anreisetag, dem 27. April – Königstag. Die ganze Stadt im Ausnahmezustand, die Straßen voll mit Menschen, genauso die Wasserwege und außer Kindern niemand mehr nüchtern. Wie Karneval der Kulturen nur nicht ausschließlich in Kreuzberg, sondern in ganz Berlin. Der Trubel erreichte uns in unserer Wohnung aber nicht und nachdem wir es vom Flughafen über den Hauptbahnhof bis in die Hemonystraat geschafft hatten, waren wir abseits des ganzen Zirkus und doch nah genug dran, um in den Tagen darauf auch zu Fuß (fast) überall hin zu kommen.



Drei Tage – drei Museen. Um eine Städtereise zu einem (für mich) aufregenden und gleichzeitig entspannten Erlebnis zu machen, muss die Mischung aus Museum/Kultur, Erkundungsspaziergängen durch die Straßen, Cafébesuchen und Läden-Schnuppern stimmen. Für unsere drei Amsterdam-Tage haben wir uns also drei Museen ausgesucht. Das Van Gogh Museum, das Rijksmuseum und das Moco. Weil ich ein Orga-Nerd bin, hatte ich die Eintrittskarten für die beiden großen Museen vorher online gekauft und weil ich mit Ausschlafen um 7:00 fertig bin (Sorry, Harry.) standen wir morgens zur Öffnung bei den Museen auf der Matte, mussten entsprechend nur wenige Minuten in der Schlange warten und waren auf dem Weg zum späten Frühstück, wenn gegen Mittag die Massen in die Hallen drückten. Nicht dass es sonst menschenleer gewesen wäre – ich glaube, halb Japan war zeitgleich mit uns in Amsterdam. 🇯🇵👋






















Wahrscheinlich klinge ich wie der letzte Banause, aber um ganz ehrlich zu sein, gehe ich vor allem wegen der Atmosphäre gerne in Museen und Galerien. Die Architektur des Gebäudes, wie die Luft sich anfühlt und riecht, wie die Schritte auf dem Boden klingen, die gedämpften Stimmen in den großen Räumen wiederhallen, wie andere Menschen auf die Kunst zugehen, sie wahrnehmen oder auch nicht – all das macht die eigentliche Sache, die Kunst selbst, wegen derer man in ein Museum geht, erst rund und zu einem Erlebnis. Wenn ich nach ein paar Stunden also gesättigt und nicht mehr aufnahmefähig bin, würde ich gerne einfach wegen der scheinbaren Nebendarsteller, der Geräusche, Gerüche und anderen Eindrücke, noch Stunden länger in dem Museum bleiben, irgendwo sitzen und alles auf mich wirken lassen. Die Freiheit könnte man sich im Urlaub schon nehmen, aber dann kribbeln die Füße und man will doch raus aus dem fast magischen Biotop, das ein Museum ist und zurück nach draußen, an den Puls der Stadt.




Meine zweitliebste Art, eine Stadt zu erleben – neben stundenlangen Spaziergängen, ist Essen. Auch hier habe ich zuhause Recherche betrieben und mir in GoogleMaps eine Reihe Cafés gespeichert, sodass wir in jedem Viertel der Stadt, immer mindestens eine Anlaufstelle hatten. Orga-Nerd, sag' ich ja. 🤓
Wir hätten täglich in fünf Cafés gehen müssen, um wirklich alle abzuklappern, die ich auf meiner Liste hatte. Zum Teil wurde uns die Entscheidung abgenommen, in welches wir gehen, weil in vielen ohne Wartezeit kein Platz zu bekommen war. Im lavinia hatten wir aber an Tag 1 gleich Glück.





Bagels hielt ich eigentlich immer für unpraktische, schwere Semmeln (Brötchen) mit Loch. Aber Bagels & Beans weiß es besser und hat mich missioniert. Die Café-Liste wurde schnell ziemlich kurz, denn zu Bagels & Beans sind wir dann jeden Tag gegangen. Und auch wenn ich mir darin Variation erhalten und jedes Mal einen anderen Bagel hätte probieren können, habe ich stattdessen bei unseren drei Besuchen immer genau den gleichen gegessen – der viel zu gut war, um es nicht zu tun: „Everything Sourdough Bagel with Hummus and Sun Dried Tomatoes“, oh sweet baby Jesus.





Und etwas Variation blieb doch, denn für die Frühstücksziele suchten wir weiterhin die recherchierten Favoriten auf und radelten so zum Sonntagsfrühstück in die Kinkerstraat zu snckbr. Der Vormittag hätte wohl nicht besser sein können: An einem sonnigen Frühlingstag nach zwei Stunden im Moco Museum mit den Rädern in den Westen Amsterdams, die Stadt noch leer und verschlafen. Dann in das ebenfalls noch leere Café, das mit Ronan Keating, Daniel Powter und Stacie Orrico vermutlich noch die Rauswerfer der vorigen Nacht spielte, damit aber mitten in mein Pop-Musik-Herz traf … ein Platz am Fenster, in der Sonne und gutes Essen. 🌞

… und der Vollständigkeit halber, „die Liste“ – für den nächsten Besuch:

CT coffee & coconuts
Ceintuurbaan 282-284
beter & leuk
Eerste Oosterparkstraat 91
bakers & roasters
Eerste Jacob van Campenstraat 54
mook pancakes
De Clercqstraat 34
friends
Nassaukade 121
ivy & bros
Oudezijds Voorburgwal 96HS





Die kleinen Buchläden und Antiquariate, die in Amsterdam zum Stöbern einladen, sind zahllos. Und auch wenn es selbst in den kleinen, unabhängigen Geschäften englischsprachige Literatur gibt, kann man finde ich nur dann richtig tief einsteigen, wenn man in den Läden etwas findet, was man tatsächlich auch lesen kann. Das American Book Center oder ABC hatte ich auf meiner Karte daher mit einem gelben Stern versehen und trotz des etwas längeren ersten Besuchs, schaute ich doch bei jedem Mal, wenn ich an den darauf folgenden Tagen in der Nähe war, wieder dort vorbei. 📖




Was in Berlin einfach 2nd Hand Kleidung ist, wird in Amsterdam als „Vintage“ verkauft und kostet entsprechend viel. Ich fand die Preise in den „Kilo-Stores“, in denen, wie der Name nahe legt, Kleidung zweiter Hand zum Kilo-Preis verkauft wird, jedenfalls ziemlich hoch. Trotzdem musste ich durch jeden einzelnen einen kleinen Streifzug machen und letztendlich doch etwas mitnehmen. 👚

zipper
Huidenstraat 7
marbles vintage
Staalstraat 30
Haarlemmerdijk 64
rumors vintage & design
Haarlemmerstraat 99B
Kiloshop
Waterlooplein 189
Episode
Waterlooplein 1






Dass Fahrradfahren in Amsterdam eine gute Idee ist, muss ich niemandem erzählen. Wir haben die ersten Tage und Touren durch die Stadt zu Fuß gemacht, weil man so etwas beweglicher ist, stehenbleiben, länger gucken, Fotos machen und spontan in Geschäfte abbiegen kann. Am letzten Tag wollten wir noch ein bisschen Strecke machen, noch mehr Amsterdam aufnehmen, uns dem Tempo der Stadt anpassen und mit den Radler-Kolonnen mitschwimmen. Anstatt eine der vielen Leih-Stationen anzusteuern haben wir mit der App von Donkey Republic einfach unterwegs zwei Räder gemietet. Sie waren in einem super Zustand, günstig und die perfekten „Lastentiere“.


Auch das mit dem Essen erklärt sich von selbst. Auf unsere Bagels & Beans Gelage bin ich ja schon eingegangen. Man könnte sich tagelang durch Amsterdam essen und immer noch mehr probieren wollen. Wonach ich mittlerweile schwer süchtig bin sind zum Beispiel die Stroopwafels. Auf den ersten Blick fand ich sie fad und irgendwie spröde aussehend. Aber oho, hatte ich nicht mit so viel Geschmack gerechnt!





Was mir noch zu sagen bleibt, nicht nur im Hinblick auf Amsterdam, sondern auf alle (Städte-)Reisen, die man so unternimmt – und daran muss ich mich auch selbst immer wieder erinnern: Nichts tun nicht vergessen. So praktisch und nützlich es ist, der Orga-Nerd zu sein, der drei Monate vor Abreise schon weiß, dass man von der U-Bahn zum airbnb ein Mal links, dann lange geradeaus und nach der Brücke rechts muss und die Öffnungszeiten aller Cafés und spannenden Kleinkunstgeschäfte im Umkreis von 10km auswendig kennt, so anstrengend kann das auch oft sein und eine Reise zu einem To-do/see/eat-Marathon machen. Mich auf diese Weise selbst zu überfordern, bin ich definitiv gefährdet. Und nicht nur gibt man sich so stets das Gefühl, irgendwas verpasst zu haben – man ist auch gedanklich nicht frei für das, was man tatsächlich gerade sieht und erlebt und verpasst den Moment. An besagtem, sonnigen Frühlingssonntag radelten wir also in den Oosterpark und legten uns einfach ins Gras. Die ganzen noch nicht besuchten Museen, nicht beschrittenen Gässchen, nicht befahrenen Wasserstraßen, nicht probierten Apfelkuchen, Waffeln und Cupcakes würde warten müssen bis zum nächsten Mal Amsterdam. ... see you on instagram für noch mehr #marylebowvsamsterdam







Kommentare:

  1. Hach <3 (und so so schöne Bilder!)

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  2. wirklich ein sehr schöner und informativer post, falls es einen mal wieder nach amsterdam verschlägt! (grade die café recs sind doch wirklich ne tolle sache!)

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