Samstag, 3. Juni 2017

Ein Festival, ein Rucksack – die Intro-Edition ­čÄĺ­čî┐

Als die Lieben bei DaWanda mich fragten, ob ich gemeinsam mit ihnen auf das Malzwiese-Festival kommen und ihren Design-Markt besuchen m├Âchte, habe ich mich riesig gefreut. Mein Intro-Ich fl├╝sterte mir aber ein, dass ein Festival eigentlich nicht gerade ein Heimspiel f├╝r uns ist, ganz im Gegenteil: Viele Menschen, ein gewisser L├Ąrmpegel, keine R├╝ckzugsm├Âglichkeiten, Reiz├╝berflutung. Aber ich habe in den letzten Jahren gelernt, in solchen Umgebungen immer besser klarzukommen und das ist wunderbar, denn so kann ich eineseits respektieren wie und wer ich bin, andererseits bleiben mir aber Erfahrungen wie beispielsweise eine spannende Veranstaltung, ein Festival, eine Konferenz o.├Ą. nicht vorenthalten. Vor einem Jahr habe ich bereits einmal in einem Post ein paar meiner Tipps f├╝r die Besuche von Konferenzen etc. als Intro verraten. In einem der Punkte, bei Organisation/Vorbereitung erz├Ąhlte ich, dass ich immer schon am Vorabend alles f├╝r den n├Ąchsten Tag herrichte und dabei am liebsten einen Rucksack packe/dabei habe. So sind die H├Ąnde frei. Was den Inhalt des Rucksacks betrifft, will ich heute einen kleinen Einblick geben.


Ich will nicht sagen, dass man all den Kram in meinem Rucksack wirklich „braucht“ – ich brauche den meist selbst nicht –, aber darum geht es gar nicht. Vielmehr muss ich eine gewisse Auswahl an Dingen (n├╝tzlich bis ├╝berfl├╝ssig) einfach dabei haben, um mich in einer Situation sicher zu f├╝hlen. Das hier ist wahrscheinlich eher nichts f├╝r Minimalisten, oder doch? Denn die Marie-Kondo-Frage „Does this bring me joy?“ kann ich bei allem in meinem Rucksack mit „JA!" beantworten.


Aber vielleicht fange ich mal mit dem N├╝tzlichen an: Egal wohin ich gehe, trinken muss ich immer, daher habe ich immer Wasser dabei. Und wo wir bei den Grundbed├╝rfnissen sind: Snacks. Im Idealfall was nahrhaftes, s├Ąttigendes wie N├╝sse oder M├╝sli-Riegel. Denn auch wenn es auf Festivals immer Futter gibt, wei├č man nie. Vielleicht brauche ich einfach jetzt sofort was und kann nicht einmal mehr die 15 Minuten irgendwo in einer Schlange ertragen oder ich bin schon an einem Punkt zwischen Hunger und Aggression angekommen, wo meine Energie selbst f├╝r die Entscheidung zwischen Burrito oder Stulle nicht mehr ausreicht.



… desweiteren:

SPF plus anderer Sonnenschutz
… like ein Basecap oder ein leichtes Tuch f├╝r die Schultern und/oder eine Sonnenbrille. Letztere hilft ganz grunds├Ątzlich, wenn einem ein bisschen nach Verstecken ist, bis man mit der Situation warm geworden ist und sich zeigen m├Âchte.

Lippenbalsam, Deo, Notfalltropfen
… oder auch die glorreichen Drei. Eines dieser Dinge wirst du nicht selbst brauchen, sondern jemand, die/den du auf dem Festival triffst. (Aus dem Grund habe ich immer auch Tampons dabei. Wer also hinterr├╝cks von seiner Periode ├╝berfallen wurde, kann jederzeit zu mir kommen und ich werfe Tampons wie Konfetti. ­čĹ»)

Body Mist // Lipgloss
… beides optional! Das K├Ârperspray hab ich speziell im Sommer vorallem wegen der erfirschenden Wirkung dabei. Und Lipgloss, so „girly“ mir da auch zumute wird, ist mir in der W├Ąrme einfach lieber als Lippenstift.

wet wipes
… noch so ein Utensil das, wenn man es selbst nicht braucht, f├╝r irgendwen anders der Lebensretter werden kann.

Karten-Etui
… das ersetzt auf Gro├čveranstaltungen mein Portmonnaie und enth├Ąlt Ausweis, EC Karte und ein paar Scheine. Was ich nicht dabei habe, kann ich schon nicht verlieren und F├╝hrerschein, Krankenkassenkarte oder Zahnprophylaxebonusheftchen brauche ich nun sicher nicht auf einem Festival.

ein Battery Pack
… einen vollen Handy-Akku zu haben, vermittelt ebenfalls Sicherheit. Aber dass wir alle immer und zu jeder Zeit unser _geladenes_ Handy handy haben m├╝ssen, ist jetzt auch nicht erkl├Ąrungsbed├╝rftig.

ein Buch!
… womit ich zur├╝ck beim ├ťberfl├╝ssigen w├Ąre, denn wenn man auf einem Festival/einer Konferenz Zeit zum Lesen hat, sollte man vielleicht besser wieder heimgehen. Aber darum geht es gar nicht. A) Ein Buch ist wie ein Talisman und ein St├╝ck Daheim. Eines dabei zu haben gibt mir ein Gef├╝hl der Sicherheit, als h├Ątte ich die emotionale Unterst├╝tzung einer Freundin/eines Freundes. B) Geht man alleine auf eine Veranstaltung und f├╝hlt sich z.B. bei der Kaffeepause oder dem Mittagessen nicht nach Socializing oder nach loner-m├Ą├čig am Rand sitzen, liest man einfach ein Buch! Auch total loner-m├Ą├čig, aber egal. Und au├čerdem kommuniziert es „Hey, ich lese. Mein Buch und ich wollen unsere Ruhe. Wir sind nicht socially awkward, sondern besch├Ąftigt.“ Und interlektualisch. Klar, eigentlich geht es auch darum, Menschen zu treffen und neue Leute kennenzulernen, aber manchmal klappt das nicht und bevor man sich daf├╝r fertig macht, w├Ąhlt man einfach die Gesellschaft des mitgebrachten Buchs.

Kopfh├Ârer
… diese sind ├Ąhnlich wie das Buch immer ein handliches Accessoire, das beim Abtauchen hilft und auch, wenn sich latente Panik ank├╝ndigt. Denn sobald ich zumindest Stimmen und Ger├Ąusche aussperren kann und nur die Musik h├Âre oder auch einen Podcast zum Beispiel, werde ich schon ruhiger.

etc.
… mit Sicherheit habe ich etwas vergessen, aber ├╝berlegt mal, welche Dinge – egal ob praktikabel oder nicht –, euch in potentiell schwierigen Situationen beruhigen oder helfen k├Ânnen und nehmt das mit. Lacht mich gerne aus, aber ich habe auch immer irgendein „Spielzeug“ dabei. Sei es ein kleines Stofftier, einen Stein oder sonst etwas, das man gut in die Hand nehmen kann. Wenn nicht im ├Âffentlichen Raum, dann eben kurz auf der Toilette. So lange es beruhigt und einem hilft, runterzukommen, warum nicht?




Was mir letztendlich am meisten hilft, wenn ich in Situationen bin, die weit au├čerhalb meiner ├╝blichen Komfortzone liegen, ist kein Buch oder ein Deo oder eine Sonnenbrille, die ich dabei habe, sondern das Bewusstsein, dass alles kann, aber nichts muss. Erst einmal will ich versuchen, offen zu sein. Das erste Gef├╝hl, mit dem ich etwas Neuem begegnen m├Âchte, ist nicht Abwehr, sondern Neugierde. Denn Abwehr ist nur eine Form von Angst und die l├Ąhmt und l├Ąsst einen passiv werden. Offenheit also und Vertrauen darauf, dass etwas gut werden wird. Sei es nun eine neue Erfahrung, eine Begegnung, was auch immer. Und der „nichts muss“-Part kommt ins Spiel, wenn man sich aller guten Vors├Ątze zum Trotz vielleicht doch ├╝berfordert, ├╝berreizt oder panisch f├╝hlt. Seis drum, dann hat es bei dem einen Mal eben nicht geklappt. Einen Notausgang gibt es immer und ├╝berall, man muss sich niemals nie zwingen oder zwingen lassen. Das st├Ąrkste und n├╝tzlichste, was man sich daher in den Rucksack packen kann, ist ein klares Nein. Wenn gar nichts mehr hilft, keine Musik, kein Snack, keine ruhige Minute auf der Toilette, sagt Nein und geht. Tsch├╝ss.


Den „zart Besaiteten“ unter euch hat der kleine Tauchgang in meinen Rucksack hoffentlich ein bisschen geholfen und allen anderen einen Einblick in mein Intro-Dasein gegeben, das – auch wenn es vielleicht nicht so klingt – wirklich super sch├Ân ist. ­čî╗

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