Samstag, 8. Juli 2017

Amrum-Magie: Vier Tage auf der Insel 🌊🌾⛵️

Dass wir nach Amrum zurückkehren würden, wusste ich schon letztes Jahr, als wir die Insel kennenlernten. Und weil wir die Sehnsucht nicht zu groß werden lassen wollten, buchten wir schon im Januar unseren Zug ans Meer. Einen Blogpost mit Fotos gab es auch nach unser letztjährigen Reise – nachdem aber wieder so, so viele von euch nach weiteren Eindrücken und Reisetipps gefragt haben, will ich Amrum 2017 ebenfalls einen Platz hier geben.

Große Geheimnisse werde ich euch mit meinen Tipps wohl nicht verraten, denn Amrum scheint in den Herzen sehr vieler Menschen zuhause und für sie die beste Nordseeinsel zu sein. Als wir unseren ersten kleinen Sommer-Escape für 2017 planten, überlegten auch wir nur sehr kurz, ob dieses Jahr vielleicht eine der anderen Inseln unser Ziel werden sollte … 🤔 Nö. Amrum.

  Ist Amrum die richtige Insel für mich?  

Hell, yes. Auch wenn ich komplett voreingenommen bin. Amrum ist für jede(n) die richtige Insel und außerdem Universalheilmittel gegen alles. Wie bei jedem Urlaub sollte man sich (denke ich) fragen: Was möchte ich von meiner Reise und was erwarte ich?
Amrum ist ruhig. Wir waren bisher Ende Juni und Anfang Juli da, also bewusst außerhalb der Sommerferienzeiten. Wie es während derer aussieht, weiß ich also nicht, aber „ruhig“ im Sinne von es gibt eben drei Dörfchen, ein paar Cafés und Edeka zum Einkaufen, ist es auch im August, würde ich meinen.
Wir sind jedenfalls für Ruhe an die Nordsee und mit der Fähre auf die Insel gefahren. Für absolute Stille, wenn man abends bei offenem Fenster im Bett liegt. Stille bis auf das Rauschen der Baumkronen im Wind, das Keckern der Austernfischer und das Gurren von Tauben. Für wenige Menschen und für Langsamkeit, für Weite und allem voran für das Meer.


  Wie komme ich dorthin und brauche ich ein Auto?  

Sehr einfach und nein. Beide Male sind wir von Berlin aus mit dem Zug über Hamburg gefahren – es gibt auch einen IC, der etwas länger braucht, dafür muss man aber einmal weniger umsteigen. Man juckelt ganz gemütlich bis Niebüll, nimmt dort einen Regionalzug nach Dagebüll zum Fähranleger und von da die Fähre nach Wittdün auf Amrum. Wer keine fünf Kinder und sechzehn Koffer dabei hat oder plant, drei Monate zu bleiben, braucht kein Auto. Auch auf der Insel nicht: Ein Bus verbindet die drei Dörfchen Wittdün, Nebel und das Norddorf. Bei der An- und Abreise kann man mit dem Gepäck also den Bus nehmen und ansonsten ist das allerbeste Fortbewegungsmittel das Rad. Radeln auf Amrum ist so, so wunderschön. Man hat dort das Gefühl, im Schoß von Mutter Natur zu sitzen – im Auto über die Insel zu gondeln, passt da nicht hin – wenn es sich also irgendwie vermeiden lässt: Zug > Fähre > Bus > Rad.




  Wo wohnen?  

Google is your friend. B&B, Ferienwohnung oder Jugendherberge? Wir wollten eine Wohnung, weil wir am liebsten selbst kochen. Die Nähe zum Meer war uns wichtig und ein schöner Ausblick. Wir suchten uns also was im Süddorf, weil ich auf GoogleMaps sah, dass man da fix ans Wasser kommt, der Leuchtturm nah ist und ich im angrenzenden Wald eine schöne Laufstrecke vermutete – was genau richtig war. „Zentral wohnen“ oder nicht, ist auf Amrum keine Frage, finde ich, weil man übrall und nirgends „zentral“ wohnt. Wittdün oder das Norddorf sind noch am ehesten „städtisch“ … aber ich wollte gerne wohnen wie hinter dem Wald lange geradeaus und dann auf der rechten Seite und (im Vergleich zu Kreuzberg) ist es im Süddorf genau so. 🏡
Und apropos selber kochen: Ladenöffnungszeiten sind auf Amrum tatsächlich Thema. Kein Tengelmann bis 24:00, kein Späti oder Falafelladen. Ab Samstagmittag und sonst nach 18:00 sind die Läden zu. Das sollte man bei einer Anreise abends bedenken. Wir haben uns dafür einfach Nudeln und ein Glas eingekochte Soße mitgenommen. 👵🏻 #becausewhythehellnot Erster Tagesordnungspunkt am nächsten Morgen ist dann Räder leihen (ab 09:00) und auf zu Edeka* in Nebel. Wo es keine Plastiktüten gibt. Ehrlich, können wir das auch einführen? Überall?
*Edeka auf Amrum bietet einen Service, soweit ich weiß, der einem seine Einkäufe für den Anreisetag vorbereitet und in der Ferienwohnung abliefert – in Absprache mit dem Vermieter/der Vermieterin. Falls das relevant ist, einfach mal schlau machen.






  Was tun auf Amrum?  

Well. Fahrradfahren, Spazierengehen, aufs Meer schauen, Häschen, Möwen und Strandkörbe zählen, Muscheln sammeln, die Füße in den Sand graben und in die Wellen strecken, Kaffee trinken, Waffeln essen, lesen, lesen, lesen, Radfahren, am Strand entlang laufen, tiefer einatmen als jemals zuvor, durch den Pinienwald spazieren und über den Dünenwanderweg, Radfahren – hatten wir schon, oder?
Ich bin so gerne draußen – so lange es nicht unter Menschen sein muss – und in der Natur, auf dem Rad unterwegs und am Meer. Amrum gibt einem all das und ich habe mit jeder Stunde mehr dort das Gefühl, zu dem Menschen zu werden, der ich eigentlich wirklich bin. Das mag total new age-y klingen, aber nach 24h Amrum weiß ich, was eigentlich tief Atmen heißt, wo mein Körper anfängt und wo er aufhört und wie ein freier Kopf sich anfühlt. Amrum ist Magie.













  What else?  

Amrum ist aufrichtig und einfach – auf die bestmögliche Art und Weise. Manchmal überkommt mich im Urlaub diese drängende Angst, etwas zu versäumen und in der begrenzten Zeit an einem Ort nicht „alles“ oder ausreichend viel sehen, erfassen und aufnehmen zu können. Ich brauche dann meist ein paar Stunden oder Tage, um mich zu fangen, bewusst das zu genießen, was ich gerade erlebe und das Gefühl abzuschütteln, das Eine zu versäumen, während ich das Andere tue.
Auf Amrum spüre ich derlei „Erlebensdruck“ nicht, weil alles, was es gibt, vor einem liegt und nicht erkundet und ent-deckt werden, sondern einfach nur eingeatmet und aufgenommen werden muss. Ich weiß nicht, ob das Sinn ergibt … ich kann auf Amrum jedenfalls immer wundervoll loslassen und mit dem sanft langsamen Inselrhythmus mitgehen. Dort am Merr drückt nichts auf einen ein. Nichts drängt sich auf. Alles liegt einfach nur da und man taucht direkt rein. Ob nun unterwegs auf dem Rad, durch den Wald oder beim Spaziergang zum Strand… Amrum ist der beste Ort. 💙


🌊🌾⛵️

1 Kommentar:

  1. So ein schöner Text! Man spürt die Ruhe, die auf einen übergeht und wie man alles um sich herum spürt und sich selbst dazu. Eine wunderschöne Insel, ein wunderschöner Ort. Du hast das ganz toll beschrieben! :))

    AntwortenLöschen