Samstag, 16. September 2017

Erinnerungen an eine Reise: Yorkshire + London 2016 🇬🇧⚡️đźš‚

Wenn ich an Großbritannien und im Besonderen an England denke, wird mein Herz ganz warm. Noch bevor ich überhaupt zum ersten Mal dort war, hat das schon angefangen. Der Englischunterricht ab der 5. Klasse und Harry Potter haben eine Tür für mich geöffnet, durch die ich nach England gelangte. Während der Schulzeit war ich wenige Male in London, nach dem Abi dann jährlich und noch etwas später ging es endlich aufs englische Land, nach West Somerset, Cornwall, Devon und im letzten Jahr nach Yorkshire.

Unsere Reise sollte eine Harry-Potter-Reise sein und so planten wir eine Fahrt mit dem Hogwarts Express (kind of) und vor der Heimreise zwei Theaterabende in London mit „Harry Potter and the Cursed Child“.
Seinen Anfang nahm unser England-Aufenthalt aber in Manchester, wo wir eine Nacht verbrachten und am nächsten Tag mit dem Zug Richtung Scarborough ans Meer fuhren. Zugfahren und das Meer – zwei Dinge, die in keinem UK-Urlaub jemals fehlen dĂĽrfen. đź’™




Die ersten Urlaubstage und speziell den Anreisetag erlebe ich meist in einem leichten „Bin ich wirklich hier?“-Delirium, bevor ich auch im Kopf ankomme.
In diesem Zustand war in Manchester der erste Stop ausgehungerterweise PRET, bevor wir bei Sonnenschein durch die Innenstadt spazierten, am Bahnhof unsere Tickets für die Zugreisen der nächsten Tage abholten und bei M&S fürs Abendessen einkauften.
Am nächsten Tag ging es dann nach Scarborough und endlich ans Meer.

Die Idee mit Yorkshire enstand u.a. daraus, dass ich in die Heimat der Brontës wollte und zudem mit der Möglichkeit liebäugelte, nach Hepstonstall zu fahren, um dort Sylvia Plaths Grab zu besuchen. Als wir dann in Scarborough eine airbnb-Unterkunft fanden, in der wir unbedingt wohnen wollten, landeten wir zwar ein weites Stück weg von Sylvia, dafür aber direkt gegenüber von Anne Brontës Ruhestätte.

Wenn man Engländer*innen erzählt, dass man in Scarborough war und es schön fand, runzeln viele die Stirn. Der Ort hat seine Blütezeit hinter sich, war um die Jahrhundertwende ein Ferienziel und Strandbad und wirkt heute etwas vergessen. Uns hat es aber tatächlich sehr, sehr gut gefallen dort. Das lag zum einen sicher an unserer Wohnung von der aus man auf die Küste und das Meer gucken konnte, während die Fenster auf der Hausrückseite den Blick auf den alten Friedhof und Annes Grab gaben. Zum anderen hatte wir über eine Woche traumhaft mildes Wetter und jeder Spaziergang in den Ort, an den Strand oder an der Küste entlang war genau das England-Erlebnis, das ich so mag.



Zur alten Burgruine waren wir von unserer Wohnung aus nur 5 Minuten zu FuĂź unterwegs und genauso gut konnten wir die Wanderwege der Umgebung erreichen, zum Einkaufen in den Ort, am Bahnhof einen Zug Richtung York oder einen der Busse in den Nationalpark und nach Whitby nehmen.
Gewandert sind wir, auch wenn man aus Bayern kommend eher „Spazierengehen“ dazu sagen wĂĽrde, denn mit Steigungen war nichts, dafĂĽr aber mit Ausblick. Ausblick aufs Meer, auf die KĂĽste, auf weite Felder und wieder aufs Meer.







Den ersten unserer AusflĂĽge ins Umland machten wir mit dem Bus nach Robin Hood’s Bay. Der winzige Ort schmiegt sich an einen HĂĽgel an der KĂĽste des North York Moor Nationalparks und reicht quasi bis ins Meer. Durch die Gässchen des Dorfs geht es teils steil bergab und scharf um die Kurve. Man steigt zwischen den Häusschen hindurch, kommt an winzigen CafĂ©s, Souvenierläden und Bäckereien vorbei – es war wie verwunschen dort. Wie klein alles war, ĂĽbersichtlich und einfach, habe ich sehr gemocht.





Ă„hnlich verwunschen aber sehr viel größer, voller und belebter war dagegen Whitby – unser nächstes Ziel auf dem kleinen Busausflug gen Norden. Das Städtchen hat seine Beliebtheit bei Touristen nicht zuletzt Bram Stokers Dracula zu verdanken, denn der Ort und die Ruinen der Whitby Abbey dienten Stoker als Inspiration und Kulisse fĂĽr seine Gothic Novel.
Wieviele Stufen wir vom Ortskern am Friedhof vorbei auf den Hügel zu den Ruinen hochgestiegen sind, habe ich zwar gezählt, aber vergessen. An den Blick von dort oben aufs Meer dagegen werde ich mich hoffentlich für immer erinnern.







Vielleicht waren es eigentlich Fotos von York, die mich auf die Idee mit dem Yorkshire-Urlaub brachten, und nicht die BrontĂ«s. Wahrscheinlich beides. Auf York war ich jedenfalls (wie auf so vieles) gestoĂźen, als ich in ein instagram-rabbit-whole stolperte und gefĂĽhlt plötzlich tatsächlich in Hogsmeade ausgespuckt wurde. Neben dem Meer, der weichen HĂĽgellandschaften und langen KĂĽsten, sind es Orte wie York, die mich England so lieben lassen. Oft frage ich mich, ob die Menschen, die in solchen Städtchen leben, diese auch als so pittoresk und magisch wahrnehmen – die Häuschen, Gassen, Kathedralen, verwinkelten Geschäfte und CafĂ©s als fast unwirklich oder einfach „normal“ empfinden.










Nach Whitby fuhren wir noch ein zweites Mal. Allerdings nicht mit dem Bus, sondern von Pickering aus mit der North Yorkshire Moors Railway. Auf der knapp 30km langen Strecke machte die Eisenbahn auch am Bahnhof Goathland Halt. Dieser war in der Verfilmung von Harry Potter and the Sorcerer's Stone als der Bahnhof von Hogsmeade zu sehen. Ganz so weit hergeholt war das mit dem Hogwarts-Express also nicht… đźš‚⚡️
Abgesehen von dem literarisch-popkulturellen Thema unseres Ausflugs, war auch das Erlebnis selbst – die Fahrt durch den Nationalpark, das Rattern und Schaukeln des Zugs, das alte Abteil –, wirklich zauberhaft.




Nachdem ich die ersten Harry-Potter-Filme gesehen hatte, dachte ich mir immer, wie wundervoll – tatsächlich voller Wunder – es sein muss, in einer Umgebung zu leben, welche die BĂĽcher so sehr Wirklichkeit werden lässt, wie zum Beispiel London. War King's Cross/St. Pancrass schon immer so magisch schön oder haben auch in London lebende erst durch den Filter aus Magie, den J. K. Rowling auf solche Plätze gelegt hat, diese in einem anderen, neuen Licht gesehen?
Bei meinem ersten Londonbesuch war ich dreizehn und so begeistert von der Stadt, dass ich in einem Stadtplan täglich jede Bewegung einzeichnete, die wir machten, dort auch genau vermerkte, an welcher Stelle ich welches Foto aufgenommen hatte und vom Eintrittsticket ins Natural History Museum, ĂĽber den Harrods-Kassenbon bis zum letzten Kaugummipapier alles sammelte und aufhob, was mir während der vier Tage in der Stadt durch die Finger ging. Ich wollte unter gar keinen Umständen irgendein Detail vergessen. Genauso besessen beschäftigte ich mich mit allem, was Harry Potter betraf und kartografierte („kartografierte“ – ich war 11) den Grundriss von Hogwarts, wie ich in mir vorstellte, genauso das Schulgelände und den verbotenen Wald. Wie kam ich jetzt eigentlich auf all das?
Als sich unsere Reise im letzten Jahr dem Ende zuneigte, nahmen wir wieder einen Zug. Diesmal nach King's Cross. Denn das größte Harry-Potter-Abenteuer erwartete uns noch und beginnt doch genau dort. Während wir uns tagsĂĽber (am liebsten oben) im Doppeldecker durch die City of London schaukeln lieĂźen, (soweit die FĂĽĂźe trugen) all die Orte ablatschten, die wir (wieder-)sehen wollten und endlich, endlich bei Foyles jedes Stockwerk durchstöberten, blieben die Abende nur Harry Potter and the Cursed Child im unvergleichlichen Palace Theatre vorbehalten. Das TheaterstĂĽck, die Stunden dort in dem Sitz … was ein Ritt! Ich habe so etwas ehrlich noch nie gesehen oder erlebt und wenn sich die Möglichkeit bietet, will ich es nochmal gucken. Und nochmal. ⚡️









Die Reise hatte ich unser UK-Harry-Potter-Abenteuer 2016 genannt – wegen der vielen „das ist wie in Harry Potter“-Momente… Doch am Ende ist es eben nicht wie in Harry Potter, sondern einfach wie in GroĂźbritannien.
⚡️🚂🇬🇧

1 Kommentar:

  1. London und Oxford waren bis jetzt die einzigen Orte auf der Insel, die ich mir angesehen habe. Aber ich komme bestimmt noch einmal wieder. Wirklich sehr sehr schöne Reisefotos mit Sogwirkung. Danke. Jetzt habe ich Fernweh.

    > Oft frage ich mich, ob die Menschen, die in solchen Städtchen leben, diese auch als so pittoresk und magisch wahrnehmen – die Häuschen, Gassen, Kathedralen, verwinkelten Geschäfte und CafĂ©s als fast unwirklich oder einfach „normal“ empfinden.

    Das stimmt. Ich frage mich gerade, wie Menschen, die an solchen Orten leben, glattgebügelte Industriestädte wie z.B. Detroit erleben.

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