Samstag, 19. Mai 2018

Die Alte Nationalgalerie ­čî║

Wie das so ist, wenn man in einer Stadt mit grandiosem Kulturprogramm lebt, war ich in den letzten drei Jahren seltener in einem Museum als bei meinen ersten Berlin-Besuchen circa 2009-2011. Die Idee, mindestens einmal im Monat in eine Galerie oder ein Museum zu gehen, machmal einfach nur, um da zu sitzen – zum Lesen, Schreiben und Erholen – gefiel mir in der Theorie immer schon sehr. Meist fehlte dann aber die Zeit. Au├čerdem war mir der Ansatz mit dem „ins Museum gehen wie in den Park“ angesichts der Eintrittspreise dann doch zu unambitioniert. Reine Einstellungssache, schon klar, aber irgendwie wollte ich aus den Galerie- und Museumsbesuchen etwas selbstverst├Ąndlicheres machen und sie von dem Sockel der Spezial-Happenings-bei-schlechtem-Wetter nehmen. Die L├Âsung: Eine Jahreskarte. Die habe ich mir zu Ostern gew├╝nscht, letzte Woche aktiviert und mein Museumsjahr mit einem Besuch in einer meiner liebsten Berliner Galerien er├Âffnet: der Alten Nationalgalerie.



Warum ist mir die Alte Nationalgalerie (zusammen mit der Gem├Ąldegalerie) die liebste? Weil ich auf die Malerei aus dem 18./19. Jahrhundert und die K├╝nstler der Romantik stehe, allen voran nat├╝rlich Casper David Friedrich und Karl Friedrich Schinkel. Als ich Anfang Mai meine Jahreskarte abholte und mit Programmen zu laufenden und kommenden Ausstellungen versorgt wurde, erfuhr ich von der „Wanderlust“-Sonderausstellung – Jackpot, genau mein Ding.


Letztes Jahr im Mai bin ich extra nach Hamburg gefahren, um (u.a.) endlich einmal den „Wanderer ├╝ber dem Nebelmeer“ zu sehen – der ist n├Ąmlich eigentlich dort in der Kunsthalle zuhause, war der Wanderlust wegen aber nat├╝rlich nach Berlin gekommen.
Das Herzst├╝ck – den Ausgangspunkt vielmehr, bildet die in der Romantik behandelte Wanderthematik. Die gezeigten Werke reichen jedoch bis ins 20. Jahrhundert und nehmen zum einen auf, welche Bedeutung Wanderungen f├╝r pers├Ânliche Lebens- und Entwicklungsreisen haben und wie die intensiven Naturbegegnungen zum anderen eine Form von Entschleunigung und Selbsterkenntnis sind.


Wie sich der Bogen zur Moderne spannt, wird nun schon deutlicher. Denn der Wunsch nach Entschleunigung, von dem die Werke der Romantiker erz├Ąhlen – als Reaktion auf Entwicklungen wie die industrielle Revolution –, ist uns doch auch heute nicht unbekannt. Mindfulness-Spaziergang und einen Nachmittag Social Media Detox, um mit Wanderstock und Hut auf den Berg zu gehen. I feel you, m├Âchte ich der Bergsteigerin von Jens Ferdinand Willumsen sagen.

Bis in die Popkultur der Gegenwart zieht sich die Wanderlust als roter Faden und so findet sich neben den Gem├Ąlden auch ein Bj├Ârk-Song mit Musikvideo in der Sammlung.
Auch wenn Fu├čreisen wie Spazierg├Ąnge oder ausgedehnte Wanderungen ein Ziel an ihrem Ende suggerieren, so lassen Bj├Ârks Lyrics die Wanderlust hingegen wie die Sehnsucht nach einer Endlosbewegung erscheinen – in Richtung Horizont, der sich immer mitbewegt.

Begeistert war ich nicht nur von der abwechslungsreichen Vielseitigkeit der Wanderlust-Ausstellung, sondern auch von dem gro├čen Besucherandrang, der mir f├╝r einen gew├Âhnlichen Dienstag geradezu ├╝berw├Ąltigend vorkam. Meiner pers├Ânlichen Entschleunigungsabsicht haben die Massen zwar nicht unbedingt geholfen … das konnte ich aber nach meiner „Wanderlust“-Reise durch einen R├╝ckzug auf die anderen Stockwerke und zu den Dauerausstellungen l├Âsen.
Zu denen aber ein anderes Mal, denn Jahreskarte sei Dank werde ich sicher bald wieder einen Tag in der Alten Nationalgalerie verbringen.

Alte NationalgalerieWanderlust 10.05. – 16.09.2018

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