Samstag, 2. Juni 2018

Isle of Skye ⛰✨

Wie versprochen, der dritte und letzte Teil unserer Schottland-Reise 2017. Nach Edinburgh und Inverness machten wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Portree auf der Isle of Skye, einer Insel unmittelbar vor der Westküste des schottischen Festlandes. Von Inverness gelangt man nach einer kurvenreichen Fahrt durch die wunderschöne Landschaft der Highlands über eine Brücke auf die Isle of Skye. Die Fahrtzeit verfliegt, weil sich vor dem Busfenster Ausblicke auf Seen und alte Burgen bieten, aufs Meer, auf zerklüftete Felsen und weite Ebenen mit grün-bräunlichem Buschgras, das an die afrikanische Steppe erinnert. Ich habe noch nie auf so kurzer Distanz, auf so kleiner Größe wie der Isle auf Skye, eine so vielseitige Landschaft gesehen.

Wir wohnten in Portree, dem größten Ort auf der Insel, der da ein kleines Dörfchen ist. Für meinen Geschmack hatte es die perfekte Größe. Unser Ferienhaus war direkt an der Uferpromenade – wir konnten auf den Hafen und die dort liegenden Schiffchen schauen. Zum Einkaufen ging es zu Fuß und Bäcker, Cafés und alle anderen Geschäfte waren ähnlich nah.
Nachdem uns der Bus in Portree abgeladen hatte, ging es jedoch nicht ohne Auto – auch wenn in Portree alles nötige so leicht zu erreichen ist. Wir wollten die ganze Insel erkunden und jeden Tag wandern und spazieren gehen. Während wir uns in England immer auf den öffentlichen Nahverkehr verlassen haben, sieht es damit auf der Isle of Skye nicht ganz so gut aus. Busse gibt es zwar, der Takt ist jedoch stark von Saison und Wochentag abhängig und war daher auf der Insel keine Option.



Wir stellten uns also ein kleines Auto vor unser Ferienhaus und erkundeten damit für eine Woche vorwiegend die von Portree aus nördlich und östlich liegenden Inselteile. Bevor wir aber raus und wandern gehen, ein paar Worte zu unserem Häuschen: Ich habe das so geliebt! Wenn man die englische Bauweise nicht gewohnt ist, wirkt alles ungefähr halb so groß, wie man es aus Deutschland kennt. Zuerst fällt mir das meistens an den sehr schmalen, steilen Treppen auf. Dennoch ist in den Häusern irre viel Platz. In unserem Cottage gab es eine wunderschöne Wohnküche, von deren Tisch aus man auf den Hafen und die Schiffe gucken konnte. Dort am Fenster saß ich am liebsten. Da das Haus an einen steilen Uferhang gebaut war, waren alle Räume nach vorne, Richtung Wasser ausgerichtet und man konnte nicht nur vom Küchenfenster aus das Meer sehen, sondern auch von den Schlafzimmern und dem Bad. Wir linsten also sogar beim Zähneputzen über die Gardinen und schauten den Möwen zu. ✨

Ich hatte Wanderungen und fantastisch zerklüftete Felsenlandschaften versprochen – fangen wir also mit der Naturschönheit an, die mich überhaupt erst auf die Idee mit der Isle of Skye als Reiseziel gebracht hatte: The Old Man of Storr, eine Felsenformation ein gutes Stück nördlich von Portree, die direkt zum Einstieg in den Skye-Urlaub einen ersten Eindruck vermittelt, was einen auf der Insel alles erwartet.
Noch kurz ein organisatorischer Tipp: Das kleine Büchlein Isle of Skye – 40 Coast and Country Walks von Paul und Helen Webster. Viele der Wander- und Spazierwege darin galten eine Weile als Geheimtipps, glaube ich. Doch selbst an entlegeneren Plätzchen sieht man einzelne Spaziergänger mit einem lilanen Büchlein in der Hand durch die Peripherie stiefeln. Und auch ich behalte den Buchtipp nun nicht für mich, sondern gebe ihn weiter, denn jede einzelne Route darin, die wir genommen haben, war ein kleiner Goldschatz und zudem bestens beschrieben, sodass man sich auch bei „querfeldein und bei dem großen Stein links“-Geschichten nicht verläuft.



Nur auf der kurzen Strecke (ca. 25 Autominuten) von Portree bis zum Wanderparkplatz unterhalb des Old Man begegnet einem unfassbar vielfältige Landschaft. Es geht an einigen kleinen Seen vorbei, die am frühen Morgen inmitten der sanften Hügel liegen wie blank geputze Spiegel. Wo sich der morgendliche Nebel löst, spannen sich Regenbögen über den ganzen Himmel und hat man einen der kleinen Hügel überrundet, breitet sich eine Weite aus, die ich so bisher nur aus dem südlichen Afrika kannte, nie aber auf einer (ja doch eher) kleinen Insel erwartet hätte. Wenn ich so in die Ferne gucken kann, merke ich immer erst, wie sehr das fehlt in meinem Alltag in der Stadt: Weit gucken können, ohne dabei Bebauung, Verkehr oder Menschen zu sehen.


Der Old Man (ich nenne den jetzt so, weiß aber nicht, ob das die offizielle Abkürzung ist, sorry) ist vermutlich der größte Touristen-Magnet auf der Isle of Skye. Wann immer wir an dem Wanderparkplatz vorbeikamen, war er brechend voll und den Pfad den Berg nach oben schlängelte sich ein Menschenzug.
Je früher man sich also auf den Weg macht, desto besser. Aber auch mit der Logik ist man selbstverständlich nicht alleine. Dennoch: Wir waren glaube ich gegen 8:30 auf dem Weg zum Gipfel und in angenehm kleiner Gesellschaft.


Was sich einem oben angekommen für Blicke bieten, ist unwirklich. Man ist schon überwältigt, guckt man nur landeinwärts auf die umliegenden Felsen. Wendet man sich dann dem Meer zu und schaut auf Raasay, eine weitere Insel, die zwischen Skye und dem schottischen Festland liegt, dunstig weit in der Ferne und doch so nah … das haut einen einfach um.
Für den Abstieg nahmen wir eine „Abkürzung“, die uns vorallem abseits der anderen Wanderer zurück zum Parkplatz bringen sollte. Hat sie auch. Durch die ein oder andere Schafsweide und Sumpfwiese.

Den Lobgesang auf die Wandertipps in Herrn und Frau Websters lila Büchlein will ich gleich noch einmal anstimmen und von meinem liebsten Spaziergang erzählen, den wir eines Spätnachmittags unternahmen, als wir eigentlich von den Wanderungen am Morgen schon „durch“, aber doch noch nicht durch genug waren und angesichts des Traumwetters den Tag auf einer Klippe mit Blick aufs Meer ausklingen lassen wollten. Die Rede ist vom Weg zu Brothers' Point.

Man kann hier von einem gemütlichen Spaziergang sprechen, der am Ende kletterreich und auch etwas gefährlich wird. Aber Vorsicht ist auf Klippen am Meer immer geboten. Anfänglich ging es über ein paar Weiden Richtung Meer. Die Spätsommerspätnachmittagssonne legte alles in ein goldenes Licht. Außer uns nur ein paar Schafe, aber keine anderen Spaziergänger. Es war so friedlich und magisch.


Am Meer angekommen ging es über einen Kiesstrand und ein paar moorige Wiesen, bis man an eine Art Landzunge gelangte – die Spitze davon, die ins Meer ragt, ist besagter Brothers' Point und ohne sich ernsthaft in Gefahr zu begeben, nicht erreichbar. Für uns endete der Spaziergang auf der Felsenerhöhung hier unten rechts im Bild. Und ist man dort erst einmal hochgeklettert, bietet sich ein unbeschreiblicher Ausblick, der einen von der Stelle ohnehin nie wieder wegwollen lässt.



Die Wander-Highlights unserer Reise zu indentifizieren, fiel mir nicht leicht. Wir waren täglich zu mindestens einer, machnmal zwei Touren unterwegs. Nicht immer waren es anspruchsvolle Wanderungen, sondern auch mal ausgiebige Spazierrunden durch Wälder, über weite Wiesen, an Kirchenruinen vorbei und wieder zurück in ein Dorf. Einen letzten Ausflug will ich aber noch unter den Top 3 platzieren. Die Wanderung zu Bioda Buidhe.

Diese Wanderung machten wir gegen Ende unseres Skye-Aufenthalts und ohne dass es geplant gewesen wäre, fasste sie unsere bisherigen Ausflüge noch einmal zusammen und der Kreis schloss sich. Von den Höhen und dem Gipfel des Bioda Buidhe konnten wir Richtung Portree gucken und in der Ferne die Felsennadel, den Storr sehen, zu dem wir ein paar Tage zuvor hinauf gestiegen waren.
Mir gehen irgendwie die Worte aus, um die Vielfalt und Magie dieser Landschaft zu beschreiben. Wie vielleicht auf den Fotos zu sehen ist, zeigte sich die Insel hier noch einmal von einer ganz anderen Seite. Das satte Grün in diesen Höhen, scheinbar näher am Himmel als an der Erde, war mir in den vorherigen Tagen in der Intensität nicht begegnet. Wir trafen mehr Schafe als Menschen auf dem Weg den Bergkamm entlang und die Umgebung suggeriert einem deutlich, dass nicht Mensch, sondern Natur hier stärker ist.


Wie kann ich jetzt einen Abschluss finden? Mir bleibt nur zu sagen, dass ich tief beeindruckt bin von der Isle of Skye und den Highlands und Schottland und es mir großes Fernweh macht. So oft denke ich an diese Reise zurück und wünsche mich auf eine der Klippen, um auf den Atlantik schauen zu können oder nachmittags an den Küchentisch des Ferienhäuschens, mit einer Tasse Tee und einem Empire Biscuit aus der MacKenzie's Bakery am Somerled Square. Segelschiffe zählen, Möwen beobachten, auf einen Regenbogen warten … es ist ein großes Glück, dass es diese Orte gibt.

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