Samstag, 16. Juni 2018

Spreewald 🥒🌳

In Berlin fühle ich mich oft wie auf einer Insel. Die Stadt ist so groß, dass ihre Grenze manchmal sehr fern scheint – der Weg, bis mal „was anderes“ als Berlin einen umgibt, ist weit. Man juckelt 45 Minuten mit der S-Bahn stadtauswärts und ist immer noch in Berlin. Wenn man in München so lange Bahn fährt, steigt man am Starnberger See aus. Der Drang, Berlin mal für ein paar Stunden zu verlassen, ist bei mir im Sommer am größten. Es muss nicht unbedingt ein See sein – ich will einfach Grün sehen und keine (bis wenig) Menschen. Am letzten Samstag fuhren wir daher für ein paar Stunden in den Spreewald.

Vom Alexanderplatz fährt ein Regionalzug Richtung Cottbus – der kann an Wochenenden gut gefüllt sein, weil er auch an Tropical Islands vorbeikommt. Könnte man mich ja schlagen, würde ich da nicht hinwollen. Anyways. Nach einer knappen Stunde Fahrt ist Lübbenau das Ziel. Vom Bahnhof läuft man ein paar Minuten in die historische Altstadt, die wirklich sehr hübsch ist. Genau sowas fehlt mir oft in Berlin... Neulich habe ich mich mal in den Richard-Kiez in Neukölln verlaufen und bin in einer Gasse mit Kopfsteinpflaster gelandet, das so holprig und voller riesiger Krater war, dass ich vom Rad steigen und schieben musste. Sehr urig war es da und wie ich mir ein Dorf um die Jahrhundertwende (19./20.) vorstellen würde – aber nur einen Steinwurf von der Sonnenallee und im Jahr 2018.
Zurück in den Spreewald: Lübbenau hat mir sehr gefallen – oft fehlt es mir in Berlin, dass ich etwas mehr oder weniger mit einem Blick erfassen kann, ohne aktiv ausblenden zu müssen, was mich sonst nur völlig reizüberfluten würde. Wie paradox das ist … ich schätze die Vielfalt und unendlich große Auswahl (an so gut wie allem) in Berlin. Gleichzeitig wäre mir oft danach, einfach nur eine Option zu haben, sagen wir in Sachen Café, Bäcker oder Buchladen. Auch wenn es darum eigentlich grade gar nicht gehen sollte … solche Gedanken kommen mir, sobald ich aus meinem Alltagsbilderbuch rausklettere und mal was anderes sehe.




Unmittelbar nach unserer Ankunft in Lübbenau wollten wir zuerst einmal in diesen Spreewald – die weitere Erkundung des Orts kam später. Ich muss ja sagen, dass das Wort „Wald“ bei mir ein Bild von hochgewachsenen Laub- und Nadelbäumen triggert. Der Spreewald – oder zumindest der kleine Teil, in dem wir unterwegs waren – ist eher niedrig gewachsen und sehr dicht, fast wie ein Urwald (sagte sie, als wäre sie schon mal drot gewesen). Die 32°C, die es an dem Tag hatte, waren also auch dort im Grün noch spürbar. Die vielen Flußläufe und Wasserarme brechen die Waldfläche auf und machen alles sehr lebendig. Durch das dichte Grün auf niedriger Höhe gibt es ringsum viel zu entdecken und beobachten. Wunderschöne Libellen zum Beispiel und alle möglichen Pflanzen und Blumen. Im Seitenarm einer der Wasserstraßen haben wir einen Biber schwimmen sehen und über die ganze Zeit unseres Spaziergangs durch den Wald waren Kuckucke zu hören. Das Dorf-/Naturkind blüht auf, merkste?






Sehr beliebt sind beim Thema Wasserwege natürlich der Kanuverleih und die Fahrt mit … wie soll ich sagen, einer Art Gondel mit Bänken und Tischchen, wo einen jemand in Uniform durch das ultragrüne Dickicht stakt. Mussten wir beides nicht haben – ich wollte lieber gehen. 🤷🏻‍♀️
Die feuchte Wärme im Wald macht es ratsam, sich möglichst flächig mit Mückenspray einzunebeln. Ich weiß nicht, ob mich nur deshalb nichts gestochen hat oder ob noch gar nicht Mosquito-High-Season war. Abgesehen davon habe ich keine Tipps. Nur: Nehmt einen Beutel mit, um eure Gurkeneinkäufe sicher nach Hause transportieren zu können.

Wir sind knapp drei Stunden durch das Grün gestiefelt und haben die Ruhe sehr genossen. Wenn man sich die auch ab und an mit anderen Spaziergängern, Radlern und Kanu-Menschen teilen muss. Aber damit lässt sich leben. Grün wirkt einfach so therapeutisch auf mich, es ist echt unfassbar … 💆🏻‍♀️🌳 Unsere Wanderung beendeten wir im Hafenviertel von Lübbenau, füllten besagte Beutel mit Gurkentöpfen und kehrten ins Hofladen-Café ein.



Wenn einen einige Stunden später der Regionalexpress wieder am knallvollen Alexanderplatz ausspuckt, wirkt die Reise ins Gurkenparadies plötzlich sehr unwirklich und weit weg. Habe ich heute Vormittag wirklich Wald gesehen, soweit das Auge reicht und einen Biber, der sich seinen struppigen Bauch putzt? Sehr seltsam … und schön. ✨

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen