Samstag, 14. Juli 2018

Die Gemäldegalerie ✨

In die Gemäldegalerie bin ich während meines ersten Sommers in Berlin einmal mehr zufällig gestolpert. Eigentlich hatte ich (as per usual) in die Alte Nationalgalerie gehen wollen – das war an einem Samstagvormittag im August – … ich konnte die Schlange vor dem Eingang schon sehen, als ich mit dem Rad beim Berliner Dom einbog und noch mindestens 100m entfernt war. Es war heiß und der Sommer nervte mich (mal wieder) und ich wollte einfach nur in kühlen Räumen über knarzenden Holzboden laufen und mir irgendwas mit Öl auf Leinwand ansehen, während der Audioguide mir Pinselführung und Horizontlininen näherbrachte. #Banause … Zuerst einmal 45 Minuten in der Sonne Schlange zu stehen, um mich dann mit Hunderten anderen meiner Art durch die Galerie schieben zu lassen, war nicht mein Traum von einem Sommerfluchtsamstag gewesen. Google wusste Rat: Da gibt es diese Gemäldegalerie. Einfach zufrieden zu stellen bin ich ja aber auch nicht: Die Fotos vom Gebäude machten mir erstmal keine große Lust. So ein „Neubau“. Ich wollte alt und aus Stein und drinnen kühl!11 Zum Glück konnte ich meine Vorurteile aber überwinden und bin in Richtung Kulturforum geradelt, dort wurde ich sehr positiv überrascht und restlos überzeugt. Seit jenem Erstbesuch war ich viele Male in der Gemäldegalerie und als ich dann meine Jahreskarte bekam, schaute ich natürlich auch dort sehr bald wieder vorbei.


Die Gemäldegalerie hat ihren Reichtum an abendländischer Kunst dem systematischen Sammeln Wilhelm von Bodes zu verdanken. Der war mir ja im Bode-Museum schon begegnet … obviously. Dass er auch in der Gemäldegalerie seine Finger hatte, habe ich erst bei meinem letzten Besuch dort erfahren.

Die Gemäldegalerie besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Meisterwerke aus allen kunsthistorischen Epochen, darunter Gemälde von Jan van Eyck, Pieter Bruegel, Albrecht Dürer, Raffael, Tizian, Caravaggio, Peter Paul Rubens, Rembrandt und Jan Vermeer van Delft sind hier ausgestellt. Vor allem die deutsche und italienische Malerei des 13. bis 16. sowie die niederländische Malerei des 15. bis 17. Jahrhunderts lassen sich hier ausgezeichnet bewundern und studieren. Quelle: Staatliche Museen zu Berlin: Gemäldegalerie

Die Sammlung der Gemäldegalerie ist, wie es im Audioguide heißt, „in doppelter Reihung hufeisenförmig um die Wandelhalle angeordnet.“ Diese finde ich im leeren Zustand am beeindruckendsten – man ist aber ja wegen der Kunst hier und im Falle einer Sonderpräsentationen wird die auch dort ausgestellt. 🤷🏻‍♀️ Aktuell zu sehen ist dort „In neuem Licht – Werke in der Wandelhalle“ … nur falls unklar war, wo die Gemälde hängen. Jedenfalls: Die Ausstellung und Hängung in der Wandelhalle ist so gewählt, dass sie quasi einen Geschmack auf das gibt, was jeweils in den einzelnen Sammlungsbereichen zu sehen ist. Den großen Zeh streckt man also in der Wandelhalle ins Wasser und voll eintauchen kann man in den Räumen dahinter.

Was ich so mag an der Gemäldegalerie und was ich von Außen nicht vermutet hätte, wie weitläufig und geräumig sie ist. Die komplette Sammlung befindet sich auf einer Ebene/Etage und die Reihung der Räume ohne jegliche Enge oder Verwinkelungen löst einen regelrecht und macht … ja, frei irgendwie.
Natürlich muss ich auch wieder über den Holzboden reden. Liebe ich. Die Farbe des Holzes im Zusammenspiel mit der der Wände. Blässlich rot, himmelblau, grün wie ein Pinienwald – Yoga für die Augen.




Ich hatte mir ja vorgenommen, immer was Neues zu lernen, bei jedem Museums- oder Galeriebesuch. Dass das eine natürliche Begleiterscheinung ist, liegt eigentlich auf der Hand, aber wenn ich Unbekanntes nicht bewusst aufnehme und „abspeichere“, geht die neue Information einfach direkt an mir vorüber und schaut nicht mal für einen kurzen Besuch in meinem Kopf vorbei. Ich muss sie also packen und festhalten und das fällt mir durch Wiederholung leichter. Mittlerweile weiß ich zum Beispiel immerhin schon, wo genau meine „Lieblingswerke“ in der Gemäldegalerie hängen – und bei jedem Besuch merke ich mir ein weiteres Detail zu ihnen. So weiß ich nun, dass Jean Bellegambes Jüngstes Gericht (~1520/25) ein Triptychon ist. Warum das so heißt, merkste selber (tri, drei, dreiteilig), aber dass es so heißt, hätte ich jetzt von alleine nicht gewusst.

Anyways. Ich mag das Gemälde – es wirft einen regelrecht nach hinten um so gewaltig ist es. Ich bin katholisch, kann aber mit dem Jüngsten Gericht oder der Hölle nichts anfangen. Die Darstellung finde ich dennoch interessant und irre spannend, weil es unendlich viel zu entdecken und verstehen gibt, nur eben an einen solchen jüngsten Tag und ein Gericht, bei dem wir vor Gott treten und er uns in den Himmel oder die Hölle schickt, heck no, daran glaube ich absolut nicht. Auch wenn der Audioguide eine Reihe an Details erläutert, hätte ich zu diesem … wait for it: Triptychon! gerne einen Menschen, der sich auskennt und mir eine Stunde was dazu erzählt. 🤓

Die Gemäldegalerie ist so umfangreich, dass ich mich trotz regelmäßiger Besuche wohl nie gut dort „auskennen“ werde, doch bei jedem Mal etwas wiederzuerkennen und ein kleines Mosaiksteinchen in das sehr große ganze Bild legen zu können, reicht schon aus. Zeit dort zu verbringen, ist wirklich eine Bereicherung und so erholsam und Frieden spendend. Und jetzt, wo ich die Museumskarte habe, geniere ich mich nicht einmal, vielleicht einfach mal nur zum Lesen hinzugehen. Ich meine, warum nicht. 🤷🏻‍♀️

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