Samstag, 8. September 2018

Ein Wochenende in der Sächsischen Schweiz ⛰🌲

Meine Eltern sind mit mir nach Südeuropa und Afrika gereist, über viele Wochen und auf abenteuerliche Weise […], die Reisen, an welche ich mich jedoch am liebsten erinnere, sind die verlängerten Wochenenden auf Campingplätzen in Österreich und der Schweiz. Nicht die in der Sonne, an fernen Orten oder am Strand, sondern die in nebelverhangenen Waldstücken an einem Bach am Fuß eines Berges, vor unserem Wohnmobil, das genauso alt war wie ich.
Dass unvergessliche Urlaubsorte nicht am anderen Ende einer langen Flugreise liegen müssen, hat uns auch der letzte kleine Kurzurlaub gezeigt, den wir in der sächsischen Schweiz verbracht haben.


Vom Berliner Hauptbahnhof fährt der Eurocity in 2,5 Stunden nach Bad Schandau, einem Dorf am Rand des Nationalparks Sächsische Schweiz. Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen gibt es genügend, eine Weile im Vorfeld zu buchen, ist aber immer schlau – travel 101, duh. Entgegen unserer üblichen Apartment- und Selbstversorgungspräferenz schnappten wir uns diesmal ein schönes Hotelzimmer, denn selbst zu kochen, Lebensmittel und Kram anzuschleppen, fanden wir für zwei Tage nicht so lohnenswert. Außerdem ist kochen lassen und Essen gehen eine schöne Abwechslung und macht Urlaub extra besonders. Bedenken sollte man aber, dass Bad Schandau nicht Berlin ist und es sowas wie „Ladenöffnungszeiten“ gibt und man nicht 24/7 Pizza, Curry, Eis oder Falafel bekommen kann. Logisch, ich weiß, aber hat man sich erst einmal an „alles immer und zu jeder Zeit“ gewöhnt, gilt es das doch zu bedenken. Zum Zeitpunkt unserer Ankunft nämlich, brach gerade die Dämmerung über der sächsischen Schweiz herein und die Gehsteige wurden hochgeklappt. Weil meine Google-Recherchen im Vorfeld („Pizza in Bad Schandau nach 21Uhr?“) eine recht klare Ansagen (Nein.) ergeben hatte, waren wir mit genügend Snacks ausgestattet. Nur als Info … ich meine, irgendwo ankommen und Hunger haben und alles hat zu, ist kein Spaß. (Einen Lidl gibts in Bad Schandau, der hat bis 21:00 offen! ⚠️)



Anyhow, vielleicht rede ich einfach gerne über Essen. 🤷🏻‍♀️ Aufgewacht bin ich am Samstag jedenfalls mit großer Vorfreude auf Frühstück, das gab’s im Hotel. Um 9:30 standen wir an der Haltestelle Bad Schandau Kurpark und nahmen die Kirnitzschtalbahn in den Nationalpark. Die urige Straßenbahn ist ein Erlebnis und gehört zur Saxon-Switzerland-Experience dazu, finde ich – nicht nur, wenn man ohne Auto angereist ist. Letzteres einfach stehen zu lassen und besagte Bahn in den Park zu nehmen, ist vielleicht ohnehin die bessere Idee: Die Wanderparkplätze sind schnell voll, die Straßen eng und da die Bahn ohnehin fährt und sich zudem um die Nutzung erneuerbarer Energie in ihrem Betrieb bemüht, sind die 8€ für eine Tageskarte gut investiert. Den Fahrplan kann man sich online angucken – als Faustregel haben wir uns den ca. 30-minütigen Takt und die letzte Fahrt zurück in den Ort um kurz nach 20 Uhr gemerkt.



Wir sind ohne Wanderkarte losmarschiert, was nicht grundsätzlich dumm ist, eine Karte schadet aber natürlich nicht (…). 😬 Uns haben die Beschilderungen ausreichend Orientierung verschafft und wenn wir uns unsicher waren, haben wir andere Menschen gefragt, das war auch sehr nett. Es gibt einen großen Rundweg durch den Nationalpark, der sich „Malerweg“ nennt. Dessen südlichen Verlauf sind wir an unserem ersten Tag gefolgt und haben gegen Nachmittag, als wir uns nach Kaffee und Kuchen sehnten, durch Wechsel auf eine andere Route abgekürzt.
Womit ich gerechnet hatte, waren gut befestigte Waldwege, die mich als Kind beim Wandern meist zu Tode gelangweilt haben. Was wir stattdessen auf dem „Malerweg“ bekamen, waren (ja, auch nette Waldwege, aber daneben) meist schmale, teils steile Pfade und abenteuerliche Kletterstiege zwischen Felsen hindurch und auf Aussichtsplattformen wie die Panorama Affensteine. Der Hammer. Dass dort nicht täglich jemand abstürzt, finde ich erstaunlich. Ich war ehrlich gesagt schon erleichtert, als wir am Nachmittag unversehrt im Biergarten vor unserem Stück Mohnkuchen saßen. Der Ausblick auf die flächig großen Wälder, die Sandsteingebilde und die Elbe ist bombastisch und so anders als das, was ich als bayerisches Alpenkind von Wanderungen kenne.





Dennoch blieb unsere Wanderung sehr abwechslungsreich. Nach diversen Kletterpartien und Felsenüberquerungen in luftigen Höhen, geht man auch wieder über schöne Waldwege, die bei jedem Schritt federn, so moosig weich sind sie. Man kommt an Höhlen vorbei, die mir ständig DARK und Super Dark Times Vibes gegeben haben – was auch dem etwas düsteren Wetter an dem Tag geschuldet war. Sowas ist ja genau meins! Im Spätsommer/Herbst bei mystisch anmutendem Wetter durch den Wald stapfen, nicht wissend, ob hinter dem Felsen da hinten nun ein Zwerg, Zentaur, Hobbit oder Voldemort vorkommen könnte.
Ich liebe Bäume und Wald und man ist auf einer Wanderung in der Sächsischen Schweiz ständig von solchen umgeben und es ist klasse.

An Tag zwei wollten wir angesichts unserer Rückfahrt am Spätnachmittag eine weniger abenteuerliche Runde drehen und keine Irrwege oder sonstige Pannen riskieren, fuhren also mit der Bahn bis zur Endstation (Lichtenhainer Wasserfall) und machten uns von dort auf den Weg zum Kuhstall, einem Felsentor ein wenig südöstlich. Die ca. 1,5 stündige Wanderung war im Vergleich zu der am Vortag eher ein netter Spaziergang – nicht sehr kletterreich und abgesehen von der „Himmelsleiter“ am Kuhstall auch nicht mit Gehen in schwindelerregenden Höhen verbunden. Dennoch bietet die Runde wunderbare Ausblicke.






Weil uns das noch nicht genügte, machten wir uns zurück am Ausgangspunkt, dem Lichtenhainer Wasserfall, entlang der Kirnitzsch auf den Weg Richtung Bad Schandau. Der Schwierigkeitsgrad dieses Weges ist überschaubar und auch wenn er unweit der Straße verläuft und man hin und wieder Autos und die Straßenbahn hören kann, tut das der märchenhaften Atmosphäre doch keinen Abbruch. Der schmale Wanderpfad führt wunderschön durch den Wald und hält aus geringer Höhe Ausblicke auf den Bach bereit. Auf Höhe der Bahnhaltestelle Forsthaus überquerten wir schließlich die Kirnitzsch und nahmen die Bahn zurück in den Ort, um uns vor der Rückreise nach Berlin noch mit einer obszön großen Portion Palatschinken mit Vanilleeis aus dem Eiscafé Memory zu stärken. Apropos Cafés und Restaurants, das hatte ich eingangs schon anklingen lassen – auf Öffnungszeiten etc. zu achten, ist eine gute Idee, denn bei einigen schließt die Küche bereits um 20:30.
Auf dem Weg zurück zum Bahnhof nahmen wir die Fähre über die Elbe. Sie spart einem den ca. 15-minütigen Fußweg, den wir am Abend unserer Ankunft über die Brücke in das Zentrum des Orts genommen hatte. Der Preis für die Überfahrt deckt die Gästekarte ab, die wir nach Bezahlen der Kurtaxe bekamen. In der enthalten ist auch eine Buslinie, die von Schöna über Bad Schandau bis Schmilka führt.


Und so kam das märchenhaft abenteuerliche Wochenende in der Sächsischen Schweiz auch schon zu seinem Ende. Es war ein wunderschöner Kurzurlaub, der sich viel länger anfühlte als nur knapp 48h. Tage später, zurück zuhause, empfand ich es als schwierig, wieder in den Takt meines Alltags zu finden, so sehr war ich „ausgestiegen“ – … . Auch finde ich immer noch Tannennadeln und kleine Stücke Moos an meiner Kleidung und in der Wohnung – … jemand auf Instagram schrieb mir daraufhin „the place won’t let you go, it followed you home“ und ja, so ist das wohl.

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